Aus dem Pleitensud

Auch rund eine Woche nach dem Gang zum Insolvenzgericht erscheinen die Gründe der Borders-Pleite unklar. Gescheiterte Online-Strategie? Unbequeme Investoren? Der frühere Analysis-Director von Borders Mark Evans führt die Insolvenz auf eine Gemengelage verschiedener Faktoren zurück.

Die Ursachen laut Evans in der Übersicht:

  • Internet: Besonders die Entscheidung, den Web-Shop Borders.com an Amazon auszulagern, sei ein Fehler gewesen. Zwar habe die Webseite zuvor Jahr für Jahr Millionen-Verluste verursacht, doch im Rückblick sei es fahrlässig gewesen, die so wichtigen Internetaktivitäten outzusourcen – Die Marke, die Multichannelstrategie und die Kundenbasis seien beschädigt worden.
  • Immobilien: Borders habe viel zu große Flächen angemietet, besonders im Vergleich zu Barnes & Noble (B&N). Außerdem habe man es oft versäumt, vorhandene Standorte zu verlagern.
  • Musik: Die riesigen Musikabteilungen hätten sich bis Mitte der 1990er Jahre ausgezahlt, mit der Krise der Musikbranche habe sich diese Strategie jedoch gerächt. Plötzlich waren die Stores zu groß, viele Kunden mit Musikfaible seien ferngeblieben, was sich auch auf andere Produktkategorien niedergeschlagen habe.
  • Sortiment: Borders‘ frühere Stärke, das große Sortiment, sei durch das Internet und die Long-Tail-Ausrichtung im Netz obsolet geworden – Das Internet könne Kunden effizienter und schneller selbst zu exotischen Produkten führen. Immer mehr Kunden seien daher zu den Onlinern abgewandert.
  • Systeme und Prozesse: Borders habe auf die falschen Systeme gesetzt, um beispielsweise die in einzelnen Filialen ausverkauften Titel aus dem Zentrallager nachzuliefern. Dies habe bis zu 16 Wochen gedauert, bei B&N oft nur zwei bis drei Tage.
  • Marke: Anders als bei B&N (u.a. durch eine Kooperation mit Starbucks) sei es nicht gelungen, einen hohen Bekanntheitsgrad mit der eigenen Marke zu erzielen.

Mehr zur Borders-Pleite im neuen buchreport.express 7/2011.

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