Abstieg in die zweite Bildungsliga

Eine erhebliche Schieflage zwischen bildungspolitischer Ambition und Finanzierung beklagt der Branchenverband VdS Bildungsmedien. „In fast allen Bundesländern steht ein pädagogischer und organisatorischer Reformzug unter Dampf“, erklärte Wilmar Diepgrond, Vorsitzender des Verbandes, in einer offiziellen Meldung. Die Etats der Schulträger würden immer weiter gekürzt, die schulische Realität gleiche häufig einem Notstandsgebiet, dabei seien dringend zusätzliche Mittel für Qualitätsverbesserungen erforderlich.

Diepgrond verwies auf den Bildungsbericht 2010, der deutlich aufzeige, dass die anstehenden Herausforderungen im Bildungswesen nur durch zusätzliche Investitionen zu bewältigen seien. Ansonsten drohe Deutschland der Abstieg in die zweite Bildungsliga.


Leicht rückläufige Geschäftsentwicklung in 2010

Nach Angaben des Verbandes verringerte sich der Umsatz mit analogen und digitalen Bildungsmedien 2010 auf insgesamt 455 Mio. Euro (-1%). Der Umsatz in den allgemein bildenden Schulen stagnierte mit 327 Mio. Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Die Erlöse im Bereich Erwachsenenbildung gingen um 4% auf 72 Mio. Euro zurück, im Bereich berufliche Bildung um 2% auf 56 Mio. Euro.


Digitalisierung erfordert Investitionen

Insbesondere der Anteil der digitalen Bildungsmedien am Gesamtumsatz der Branche sei nach wie vor äußerst gering und stehe in keinem Verhältnis zur allgegenwärtigen Diskussion über die Digitalisierung des Unterrichts. Auch für das laufende Jahr rechne die Branche nicht mit deutlichen Veränderungen in diesem Bereich. Weiter hob der Diepgrond hervor, dass das Angebot von digitalen Produkten keinesfalls zu höheren Gesamtinvestitionen in Bildungsmedien geführt habe: In keinem Bundesland gebe es spezielle Schulbudgets für digitale Medien.

Auch der Technikverband Bitkom forderte Ende letzten Jahres einen massiven Technikeinsatz in Schulen, um die nachwachsende Generation auf das Leben in der digitalen Welt vorzubereiten. Immer noch sei der regelmäßige Einsatz von Computer und Internet im Unterricht eine Ausnahme in deutschen Schulen, folgende Maßnahmen seien dringend erforderlich:

  • Alle Unterrichtsräume sollten mit interaktiven Whiteboards ausgerüstet sein.
  • Schüler sollten verstärkt mit Laptops und Tablet-PCs arbeiten.
  • Schulbücher sollten durch E-Books ergänzt werden.


Bildungsverlage sind angesichts des knappen Etats skeptisch

Auf die Forderungen des Verbandes reagierten Bildungsverlage auf Nachfrage von buchreport zwiespältig: Zwar seien sie ohne Weiteres in der Lage, Unterrichtskonzepte digital zur Verfügung zu stellen. „Im Vergleich zur übrigen Buchbranche sind die Lehr- und Lernmittel schon weit entwickelt“, verwies etwa Cornelsen-Marketing-Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Feldmann auf den in den Schulverlagen seit Langem gepflegten Medienverbund. Allerdings stelle sich die Frage, ob die hohen Investitionen auch wirklich entsprechende Unterrichtsergebnisse bringen würden.

Feldmann verwies auf die knappen Bildungsmedienetats und den Kraftakt einer flächendeckenden Versorgung: „Vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Situation vieler Kommunen ist es fraglich, ob umfangreiche Ausgaben für technische Infrastruktur wirklich sinnvoll sind. Ausschlaggebend sollte immer zuerst der didaktische Nutzen sein in Relation zum Aufwand. Auch der Einsatz von Bildungsmedien muss einer ökonomischen Bilanz folgen.“

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