Warum lassen sich die Verlage erpressen?

Spätestens seit dem offenen Brief des Sortimenter-Verbunds AUB zum Vorstoß von Carel Halff ist die Konditionen-Debatte branchenweit entbrannt. Im Interview mit buchreport.de erklärt AUB-Vorstand Uwe Fischer, warum er gerade jetzt so heftig reagiert und wo er die Knuten der Verlage sieht.

Die Konditionendebatte ist in der Branche eigentlich ein alter Hut, den Carel Halff erneut hervorgeholt hat. Warum reagieren Sie jetzt so heftig?
Die alten Hüte haben sich andere aufgesetzt … Dass wir uns so sarkastisch geäußert haben, hat einen einfachen Grund: Wer sich einmal zu etwas drängen lässt, was eigentlich unvertretbar ist, den treiben die Drängenden fortan regelrecht vor sich her. Eine Binsenwahrheit, auf die wir schon vor Jahren hingewiesen haben – deren Tragweite aber kaum ein Verleger wahrhaben wollte. Wer weiß, was den Ketten noch alles einfallen wird, um ihre Probleme auf Kosten der Verlage zu lösen. Auf Kosten seiner Belegschaft hat Weltbild ja bereits agiert, Mitte 2009 wurden 322 von 1571 Stellen gestrichen. Dies sei nur nebenbei erwähnt, um zu zeigen, welcher Preis für sogenannten „unternehmerischen Erfolg“ entrichtet wird.

Statt Ihre direkten Wettbewerber, die Filialisten, anzugehen, schießen Sie gegen die Verlage. Aus welchem Grund?
Wir mittleren und kleinen Sortimente, die nicht in den Zentren ansässig sind, die alles tun, um ihr qualifiziertes Personal auch über Durststrecken halten zu können, wir sollen das Ganze schlussendlich finanzieren, denn die Verlage holen sich ihre Subventionen für die Ketten bei uns wieder herein.

Wie?
Beispielsweise über neue Rabattstaffeln, die nicht verhandelbar sind, und Verlagsvertreter, denen keine Spielräume mehr eingeräumt werden. Zumal für Kolleg(inn)en mit niedrigen Umsätzen bedeutet dies eine erhebliche Verschlechterung – und niemand fragt, wie und ob die Kollegen damit klar kommen. Warum lassen sich die Verlage gegeneinander ausspielen und erpressen? Wo ist der Mut, den Erpresssungen seitens der Ketten entgegenzutreten? Wollen die Verlage eine solche Form des Buchhandels? Wir unabhängigen Buchhändlerinnen und Buchhändler wollen einen solchen Buchhandel nicht.  Wir betreiben ideenreiche, sehr kundenorientierte Arbeit, wir reagieren rasch auf Kundenwünsche, wir sind in unserem Engagement kaum zu übertreffen. Bei Rendite und Unternehmensfinanzierung ist die Luft aber oft dünn. Dennoch will niemand von uns ruinöse Verlagskonditionen herbeiführen.

Wo ist der Ausweg?
Wir brauchen gute Titel zu marktgerechten Verkaufs- und Einkaufspreisen, die sowohl gute Verlagsarbeit als auch Engagement und gute Buchhandelsarbeit ermöglichen.

Die Fragen stellte Daniel Lenz

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