Jörg Dörnemann: Akademischer Verlag 2.0

Jörg Dörnemann: Akademischer Verlag 2.0

Thomas Hess ist BWL-Professor an der LMU München und Direktor des dortigen Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien. Im Rahmen seiner Forschungsarbeit beschäftigt sich Prof. Hess u.a. mit der Digitalisierung der Medienbranche. Ein Interview über die Veröffentlichung abseits etablierter Strukturen.
Seit kurzem haben Doktoranden Ihres Instituts die Möglichkeit, ihre Dissertationen in einer Schriftenreihe beim Self-Publishing-Anbieter epubli zu veröffentlichen. Was hat Sie bewogen, diesen Schritt zu gehen?
Ich habe vielfach erlebt, dass Doktoranden beachtliche Summen für den Druck und die Veröffentlichung ihrer Dissertationen bezahlen – nicht selten hohe vierstellige Beträge. Trotz dieser enormen Vorabinvestitionen fließt nur in den wenigsten Fällen nennenswert Geld aus den Buchverkäufen an die Autoren zurück. Von den Anbietern wurden die hohen Gebühren oft durch die Druckkosten der Mindestauflage gerechtfertigt, was lange auch richtig war. Heutzutage ist das Argument der hohen Druckkosten und einer Mindestauflage jedoch in Frage zu stellen. Moderne Print-on-Demand-Technologien erlauben es, Bücher im Digitaldruck kostengünstig zu veröffentlichen. Der Autor verdient dabei häufig schon ab dem ersten verkauften Exemplar. Darüber hinaus gewährleistet Print-on-Demand einen effizienten Einsatz von Ressourcen, da wirklich nur bei Bedarf gedruckt wird. Das Modell ist somit auch unter ökologischen Aspekten sinnvoll.

Effizienz und niedrige Kosten sind die eine Seite. Die Veröffentlichung in einer renommierten Schriftenreihe bringt Doktoranden doch auch eine gewisse Reputation. Oder gilt dies nicht mehr?
Das ist grundsätzlich noch richtig. Allerdings würde ich diesen Nutzen nicht mehr so hoch einschätzen wie früher, da in vielen Disziplinen Monographien tendenziell an Bedeutung verlieren und Publikationen in Zeitschriften und ggf. in Konferenzbänden an Bedeutung gewinnen.

Sie sind der Herausgeber der Schriftenreihe „WIM Digital Business“, die im Print-on-Demand-Verfahren hergestellt wird. Wollen Sie mit etablierten Verlagen konkurrieren?
Nein. Der klassische Verlag wird weiterhin seine Berechtigung haben. Insbesondere bei Publikationen mit hoher Reichweite sind Verlage Profis für Vermarktung und Distribution. Bei Arbeiten mit einer kleineren Zielgruppe kann es jedoch Sinn machen, die etablierten Strukturen zu überdenken und von etablierten Wertschöpfungsstrukturen wegzukommen, sozusagen als akademischer Verlag 2.0. Inhaltliche Verlagsaufgaben, wie z.B. Auswahl, Lektorat und Qualitätssicherung, lassen sich bei einer wissenschaftlichen Schriftenreihe von einem Lehrstuhl gut erfüllen. Ein Projektpartner, in unserem Fall epubli, kümmert sich um Produktion und Vertrieb, dies können und wollen wir nicht leisten

Werden Sie nur Arbeiten aus dem eigenen  Instituts publizieren?
Die Schriftenreihe ist mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der LMU München verbunden und damit inhaltlich klar fokussiert. Keineswegs müssen die in dieser Reihe veröffentlichten Arbeiten aber alle aus meinem Institut kommen.

Herr Prof. Hess, vielen Dank für das Gespräch.

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