Plädoyer für die Schönheit

Schönheit ist ihm wichtig, dem Ermittler Johan Friedrich von Allmen aus Suters erstem Kriminalroman. Eine seiner größten Schwächen ist der Luxus, zu dem neben einer nachmittäglichen Siesta auch die Lektüre von Klassikern, Reiseberichten oder Gebrauchsanweisungen gehört. Erfreulich für seine Fans ist indes, wenn es nicht nur in der Fiktion so schön läuft.

Dass er Bestseller schreiben kann, hat Allmers Erfinder längst bewiesen: „Der letzte Weynfeldt“ landete als Hardcover Anfang 2008 auf Platz 2, im März letzten Jahres als Taschenbuch auf Platz 1. Auch das Hardcover „Der Koch“ erreichte Platz 1 auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste. Auf „Allmen und die Libellen“ haben viele Buchkäufer offenbar nur gewartet: Von 0 auf Platz 2 landete der Roman in den SPIEGEL-Bestsellerlisten.

Romanfigur Allmen beherrscht trotz Millionenerbe zwar nicht dem Umgang mit Geld, dafür aber die Behandlung seiner Schuldner und Gläubiger. Fünf wertvolle Jugendstil-Schalen bringen ihn auf eine Geschäftsidee: eine Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Mit ihrem Geheimnis beginnt sein erster Fall.

Laut SPIEGEL (10.01.2011) ist dem Autor „eine federleichte Novelle“ gelungen, die in das Leben der Züricher Oberschicht einführt. Georg M. Oswald („Die Welt“ vom 08.01.2011) fühlt sich durch die Hauptfigur inspiriert, seinen Schuhschrank auszumisten und die Falten aus den Anzügen zu bügeln, um schließlich erneut zur Lektüre zu greifen.

Seine Karriere startete Martin Suter als Werbetexter, obwohl er seit seinem 16. Lebensjahr Schriftsteller werden wollte. Die Wahl für die Werbebranche begründet er im Interview mit der „Zeit“ damit, dass sich dort sehr komfortabel viel Geld verdienen lasse. Er sei froh, erst so spät Schriftsteller geworden zu sein: „Mit zwanzig oder dreißig hätte ich Bücher geschrieben voller Wortspiele, damals war ich so sprachverliebt, das wäre nicht gut gegangen.

Die Sprache ist es dennoch, die Ulrich Greiner in „Die Zeit“ an „Allmen und die Libellen“ kritisiert. Suter sei nur beliebt, weil er für seine Bücher keine Literatursprache benutze. Ein Buch für müde U-Bahn-Fahrer, die am liebsten altbekannte Sätze lesen. Durch einen solchen „Sprachbrei“ liest sich der Roman laut Spiegel Online „wie ein schlaffer Händedruck“.

Auch der Rezensent der Berliner Morgenpost (7.1.) hat Detektive eigentlich „so was von dicke“. Allmen aber sei ein Ermittler, der den Lesern schon lange gefehlt habe: „die Wiederbelebung des eigentlich erzbritischen Gesellschaftskrimis“. Suters Krimi habe Konsequenz und Eleganz, Ironie und eine melancholisch angeraute, immense Leichtigkeit im richtigen Maß. Nie sei Suter so überzeugend gewesen.

Dank der „fulminanten Presse“ hat Diogenes inzwischen mit dem Nachdruck von „Allmen und die Libellen“ begonnen. Die ersten 150.000 Exemplare seien schon fast weg, gab der Verlag auf Nachfrage von buchreport.de bekannt. Förderlich war sicherlich auch, dass der Schweizer Bestsellerautor am Samstag erst den SwissAward in der Kategorie Kultur gewann.

Schade nur, dass Suter zum neuen Krimi keine Lesungen gibt. Der Grund ist für seine Fans aber umso erfreulicher: Der Autor hat sich bereits zum Schreiben seines neuen Romans zurückgezogen. Auch eine Fortsetzung mit Allmen soll erscheinen, der Erscheinungstermin ist aber noch nicht bestimmt.

So schön kann es gerne weitergehen, für Allmen, Suter und alle Krimifans. 

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