Vom Tablett gerutscht

Bezahlte Digital-Information bleiben ein großes Thema für die von sinkenden Auflagenzahlen gebeutelten Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Die Hoffnungen in Anwendungen für Tablet-Computer wie ApplesiPad“, für die elektronische Ausgaben von Print-Magazinen entwickelt werden, wurden zuletzt gedämpft. Nach anfänglichem Enthusiasmus ist Ernüchterung eingekehrt, wie der Mediendienst „Meedia“ berichtet, nachdem das amerikanische Audit Bureau of Circulations (ABC) die Verkaufszahlen von iPad-Zeitschriften veröffentlicht hat. Beispiele aus den USA:

  • Das hochgelobte US-Magazin „Wired“, das einer der ersten Titel mit einer aufwendigen Tablet-Ausgabe war, lockte bei seiner Premiere noch mehr als 100.000 zahlende Kunden an. Die folgenden Ausgaben verkauften sich durchschnittlich aber nur noch 31.000-mal mit sinkender Tendenz.
  • Vanity Fair“ kam im Schnitt auf 10.500 verkaufte Exemplare; die Ausgabe im November rutschte auf 8700 ab.
  • Um 20% im Oktober und weitere 20% im November sind heruntergeladenen Digital-Ausgaben von „Glamour“ gesunken auf nur noch 2775 Exemplare.

Zu teuer, zu groß, schwer auffindbar, nicht weiterentwickelt

Das Online-Portal „Mashable“ hat nach Gründen für die Rückgänge gesucht:

  • Die größten Beschwerden gibt es über die als zu hoch empfunden Down­load-Preise für die Magazine.
  • Die Zeitschriften sind unter den zahlreichen anderen Apps im AppStore schwer auffindbar. Eine Lösung könnte eine eigene Anwendung nach Vorbild des iBookstore sein oder zumindest ein eigener Bereich für Magazine.
  • Die Verlage haben das anfängliche Innovationstempo gedrosselt und entwickeln die Extras der Magazine nicht weiter.
  • Die Dateien sind zu groß. Sie belegen nicht nur viel Speicherplatz auf dem iPad, sondern benötigen auch relativ viel Zeit für den Download.

Als weitere Entwicklung beobachten die Verlage den neuen Ansatz von Rupert Murdoch. Der Medienmogul will mit einer iPad-Zeitung an den Start gehen, zu der es weder eine Printausgabe noch eine Internetseite geben wird. Im Januar soll die Redaktion von „The Daily“, bestehend aus 100 Journalisten, ihre Arbeit aufnehmen und auch multimediale Inhalte produzieren. Geplant ist eine monatliche Abo-Gebühr von 99 US-Cent.

In Deutschland drängt aktuell der Axel Springer Verlag iPad-Nutzer zum Kauf der „Bild“-App. Die kostenlose Internetseite bild.de kann auf dem iPad nicht mehr aufgerufen und angezeigt werden.

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