Kinder als Themenwelt

Der Spielwarenhandel rechnet mit einem „Geschenke-Feuerwerk“ zu Weihnachten. Angesichts der guten Wirtschaftslage und relativ niedriger Arbeitslosenzahlen werde beim Nachwuchs nicht gespart, prognostiziert der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS). Auch die Spielwarenindustrie hatte kürzlich eine optimistische Prognose veröffentlicht. Die Branche, die rund 40 Prozent ihres Jahresumsatzes im Weihnachtsgeschäft realisiert, erwartet für das Gesamtjahr 2010 einen Spielwarenumsatz von 2,46 Mrd Euro zu Endverbraucherpreisen. Das wären 3 Prozent mehr als 2009.

Buchhandlungen positionieren sich

Die Spielwarenkonjunktur gewinnt auch für den Buchhandel an Bedeutung, seit Spiele im Rahmen der Sortimentserweiterungen durch Nonbooks stärker berücksichtigt werden: Vor allem die Filialisten haben nach wechselvollen Erfahrungen im elektronischen Games-Segment mit Computer- und Konsolenspielen zuletzt verstärkt auf klassische Spielwaren gesetzt, die in der Nähe der Kinderbuch-Abteilungen positioniert werden.

Ein Beispiel, wie sehr die Branchen im Fluss sind: Nicht nur der Buchhandel entdeckt Spielwaren, auch viele Spielwarengeschäfte integrieren ihrerseits affine Sortimente wie Bücher (buchreport berichtete über entsprechende Aktivitäten des Vedes-Verbunds), weiterhin Geschenk-, Schreib- und Schulartikel sowie Kindertextilien. Der klassische Spielwarenhändler entwickle sich mit Unterstützung seiner Einkaufskooperation zum „Kinder- und Freizeit-Spezialisten“, charakterisiert der BVS die Branchenentwicklung. Dazu gehören die Gestaltung von Themenwelten und Aktionsformate wie Schulranzen-Partys, Drachenfeste, Kindermodenschauen, Spieleabende, Sammelkartenbörsen und Teddybär-Festivals.

Aus Sicht der Spielwarenbranche ist der Buchhandel ein Nebenmarkt, der zusammen mit anderen Vertriebswegen (u.a. Kaffeeröster, Möbel-, Bekleidungshäuser, Baumärkte) ca. 10 Prozent des Gesamtmarktes abdeckt. Eine Reihe von Nebenmarktanbietern, u.a. Drogeriefilialisten und SB-Warenhäusern positioniert sich zum Saisonhöhepunkt mit Preisschlachten im Spielwarensegment.
Inwieweit sich der Spielwarenfachhandel und auch ambitioniertere, mit veritablen Spieleabteilungen agierende Buchhandlungen auf solche Preiskämpfe einlassen müssen, hängt vom Standort und der Positionierung des jeweiligen Ladens ab. 

Onliner bauen stationäres Standbein aus

Der stationäre Spielwarenfachhandel ist mit knapp 39 Prozent Umsatzanteil die wichtigste Einkaufsstätte für Spielzeug; 16 Prozent aller Spielzeugausgaben werden inzwischen über das Internet getätigt.
Die Verknüpfung von stationärem Angebot und Online-Shop (Multichannel) ist dabei auch in der Spielwarenbranche ein wichtiges Thema:

  • Am Online-Geschäft mit Spielwaren hat der stationäre Fachhandel einen nennenswerten Anteil: Rund 12 Prozent der im Internet ausgegebenen Spielzeug-Euros gehen auf das Konto des internetaktiven Fachhandels.
  • Klassische Online-Händler der Spielwarenbranche bauen im Gegenzug parallel zu ihren Internetaktivitäten ihre stationäre Präsenz aus: MyToys.de verfügt mittlerweile über 10 Filialen, Jako-o hat in dieser Woche seine sechste Filiale (in Hamburg) aufgeschlossen.
  • In der Spielwarenbranche wird dies als Indiz gewertet, dass der Online-Handel im Spielwarenbereich an Wachstumsgrenzen stößt und Unternehmen, die sowohl stationär wie online präsent sind, auf Dauer Vorteile haben.

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