Daniel Lenz: Navigationshilfe im Nebel

Daniel Lenz: Navigationshilfe im Nebel

Was überwiegt bei der „Odyssee“ von Homer, das Abenteuer oder die Irrfahrt? Eine Frage, die sich beim „Homer 3.0″-Kongress‘ des Landesverbands Berlin umso dringlicher stellt. Viele Vorträge und Diskussionen zeigen, dass die Branche auf dem Weg ins digitale Zeitalter vorwärts kommen will, aber im Nebel tappt. Aufbruch auf jeden Fall, Ankunft unklar. Vor diesem Hintergrund leistet „Homer“ wertvolle Navigationshilfe, wirft wichtige Fragen auf, nicht mehr und nicht weniger.„Um den Herausforderungen des digitalen Zeitalters wirksam begegnen zu homerkönnen, brauchen wir dringend visionäre Ideen“, hatte Detlef Bluhm vom Landesverbands Berlin-Brandenburg zum Auftakt erklärt. Ein hehres Ziel, das aber weder bei der hochkarätigen internationalen TOC-Konferenz zur Buchmesse, der Buch Digitale in Berlin noch (bislang) bei „Homer“ in Berlin erfüllt wurde. Die Definition aktueller Fragen überwiegt, Ausblicke in die Zukunft über morgen hinaus oder sogar Zielvorgaben bleiben Mangelware – verständlicherweise, weil das Risiko des Spekulierens zu groß ist.

Schlaglichter vom ersten Tag der Konferenz:

Leseforschung:  Christoph Bläsi von der Universität Mainz analysierte, wie sich das Nutzerverhalten durch die Möglichkeiten des digitalen Lesens verändert. Kernthese: Je länger und belletristischer die Texte, desto eher greifen die Nutzer zur gedruckten Lektüre. Außerdem nehme das Lesen in kleineren Portionen zu. Unklar bleibt jedoch, ob sich durch diesen Trend neue Text-Formen etablieren, wie sie Amazon mit dem „Singles“-Programm entwickeln will. Weitere offene Frage: Wie wird sich das aktuelle Nutzungsverhalten in den kommenden Generationen entwickeln, für die Kindle & Co. keine Innovation, sondern Standard ist.

Geräte: Das meistgehörte Wort in Berlin ist „iPad“ – das Apple-Gerät hat die Koordinaten des gesamten Marktes verändert, da sind sich die meisten Teilnehmer einig. Aber lösen die Tablets die monofunktionalen E-Reader ab? Oder bedienen die E-Reader-Spezialisten eine andere Zielgruppe (ältere Kunden, Vielleser, die kein Interesse an weiteren Funktionen neben dem lesen haben)?

Stationäres Sortiment: Wer jetzt nicht mitmacht, hat keine Chance, lautete die Devise von (buchreport-Bloggerin) Susanne Martin. Andererseits musste die Chefin der Schiller Buchhandlung in Stuttgart einräumen, dass ihr eigenes E-Geschäft bislang schleppend verlaufen ist: 13 Sony-Reader und 140 Downloads habe sie bis dato verkauft – nur vier Kunden hätten jedoch über ihre Seite die 140 digitalen Bücher heruntergeladen. Ein erfrischend bodenständiger Vortrag aus der Praxis, der Mut machen sollte, die wenigen anwesenden Sortimenter im Raum aber vielleicht eher entmutigt hat.

Ein ähnliches Bild beim Primus unter den Filialisten, Thalia. Die Botschaft von Jörg Warnken, Leiter Multichannel: Wir bleiben nicht stehen, wir mischen mit im digitalen Geschäft. Eigene Akzente im Vergleich zum Wettbewerb, besonders zu den großen Anbietern Amazon und Apple, außer, dass Thalia eine eigene Software für einen neu gebrandeten E-Reader entwickelt hat?

Mehr Eindrücke aus Berlin heute über Twitter: twitter.com/buchreport_de

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