Feind mit Verdienst

Die Debatte der Hörbuch-Verlage über die Abo-Konditionen von Audible und das Ringen der ausländischen Verlage mit der Audible-Mutter-Amazon um das – von Apple hoffähig gemachte – Agency-Modell haben einen gemeinsamen Nenner: In beiden Fällen haben die Inhalte-Lieferanten große Schwierigkeiten, auskömmliche Konditionen im Dialog mit einem Online-Händler durchzusetzen, der inzwischen eine monopolartige Stellung in einem Segment des Buchmarkts erreicht hat und sich andererseits auf dem Weg dorthin große Verdienste erworben hat. Eine Gratwanderung für Verlage.

Für die Verlage sind beide Fälle eine Warnung, was passieren kann, wenn sie sich frühzeitig die Regeln für einen jungen Markt diktieren lassen, statt diese gemeinsam mit der Distributionsseite zu entwickeln. Egal ob sie das Potenzial des digitalen Marktes seinerzeit unterschätzt oder sich darauf eingelassen haben, viel zu lange mit Dumping-Angeboten Wachstumsimpulse auf einem neuen Markt zu setzen – rückblickend müssen sich die Verlage vorwerfen lassen, fahrlässig gehandelt zu haben, denn heute ist es schwierig, die eingefahrenen Wege auf Händler-Seite (Konditionen) oder Kunden-Seite (Gewöhnung an Preisschwellen) wieder zu verlassen.

Und doch ist die Rollenverteilung bei den aktuellen Streitereien nicht schwarz/weiß. Kein anderer Akteur hat mehr getan, um eine jüngere Zielgruppe an Hörbücher heranzuführen als Audible. Und ohne Amazon hätte es womöglich keine zweite Chance fürs E-Book gegeben. Unter anderen Umständen würde den Verlagen ein Abschied von den Onlinern – z.B. zur Gründung eines eigenen Hörbuch-Download-Portals – wohl leichter fallen.

Kommentare

1 Kommentar zu "Feind mit Verdienst"

  1. Peter Eckhart Reichel | 31. Juli 2012 um 22:43 | Antworten

    Soeben entdeckt: Versucht sich ein User über den Inhalt dieser Website: http://www.buchreport.de/nachr… zu informieren, wird er beispielsweise bei Google mit dieser nachfolgenden Information (die wie eine Warnung klingt!) darauf hingewiesen: Diese Website wurde möglicherweise manipuliert.
    Die Frage stellt sich von selbst: Wer hat Interesse daran, diese Site zu manipulieren?

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