Nachmieter und Nonbooks

Auf die Zeit der atemberaubenden Expansion der Buchfilialisten folgt die
Katerstimmung. Die wettbewerbsgetriebene Flächenvermehrung seit der Jahrtausendwende, der nur zum Teil Geschäftsaufgaben des Standortbuchhandels gegenüberstehen, stößt an die Realität eines zumindest stationär nicht mehr wachsenden Buchmarktes: In den letzten zehn Jahren ist der Sortimentsbuchhandelsmarkt nach übereinstimmenden Zahlen von buchreport-Umsatztrend und Börsenvereins-Zahlen sogar leicht geschrumpft. Nach dem bisherigen Geschäftsverlauf dürfte die Kurve in diesem Jahr sogar weiter nach unten zeigen.

Die (längst eingeleiteten) Konsequenzen:

  • Es wird versucht, rückläufige Buchumsätze durch ergänzende Sortimente zu kompensieren.
  • Filialen werden mit weniger Personal gefahren.
  • Ertragsschwache Filialen werden wie­­der geschlossen.

Die letzte Option hat allerdings einen langen Bremsweg, denn viele Filialen sind erst in den letzten Jahren aufgeschlossen oder übernommen worden mit entsprechend langfristigen Mietverträgen, die bedient werden wollen, solange sich kein Nachmieter findet, der in die Konditionen einsteigt. Im neuen buchreport-Filialatlas sind ca. 350 Vollbuchhandlungen gelistet, deren Gründung weniger als zehn Jahre her ist.

Mehr geschlossen als eröffnet     

Weltbild-Chef Carel Halff hatte im April in einem viel beachteten buchreport-Interview die Wendezeit offensiv angesprochen mit seiner Prognose, dass in den kommenden 5 Jahren 40% der Verkaufsflächen für Bücher fortfallen werden, durch Umwidmung von Flächen für andere Produkte oder durch Geschäftsaufgaben, sofern es die Mietverträge zulassen. Die DBH-Gruppe von Weltbild und Hugendubel hat in den vergangenen eineinhalb Jahren tatsächlich mehr Häuser geschlossen als eröffnet.

Marktführer Thalia scheint weiter zu expandieren:

  • Am 10. November wird nach einem langen bis 2007 zurück­reichenden Vorlauf in Bonn eine zweite Großbuchhandlung (2900 qm) aufgeschlossen.
  • Vorvergangene Woche hat Thalia im neuen Saarbrücker Europa-Einkaufszentrum auf 1200 qm eröffnet.
  • 2011 sind noch zwei weitere Einkaufszentren-Flächen in dieser Größenordnung in Dortmund und Neuss geplant.

Aber auch Thalia muss gelegentlich einpacken: Die geplante Übernahme der Marktführerschaft in Braunschweig ist gescheitert; unmittelbar nach Weihnachten wird die vor 5 Jahren eröffnete 3000-qm-Fläche in der Einkaufszone wieder geräumt, nachdem sich kurzfristig ein Nachmieter gefunden hatte.

Der „Filialatlas 2011“ im buchreport.magazin November (hier zu bestellen) zeigt, dass insgesamt zuletzt mehr Filialen geschlossen als eröffnet werden. Angesichts der wenigen Neueröffnungsprojekte fürs kommende Jahr dürfte 2011 erstmals auch der Flächensaldo zurückgehen. Die interne Flächenumwandlung mit Nonbook-Ergänzungssortimenten und einer Wiederentdeckung von Medienhaus-Ansätzen mit DVD und Musik ist bereits in vollem Gange. 

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