Cigdem Aker: Wie sich das E-Book emanzipiert

Cigdem Aker: Wie sich das E-Book emanzipiert

Bisher waren E-Books als 1-zu-1-Übertragung der gedruckten Werke nur eine weitere Editionsform neben Hardcover oder Taschenbuch. Auf der Buchmesse haben Bastei Lübbe und Fischer ihre enhanced E-Books vorgestellt. Der erste Schritt zur eigenen Mediengattung E-Book ist also getan. Wie geht es jetzt weiter?Trotz der Möglichkeiten, die dieses neue Segment bietet, sehen viele Verleger E-Books immer noch als Konkurrenzprodukte zu den gedruckten Büchern, obwohl sie als Ergänzung oder eigenständiges Produkt neue Zielgruppen erreichen und dadurch Marktchancen eröffnen können. Ein interessantes Beispiel ist die E-Book-Serie „WYRM“ vom bekannten deutschen Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein. Sie ist eine eigenständige Geschichte, die auf dem gleichnamigen Roman, der in gedruckter Form erschienen ist, basiert. In regelmäßigen Abständen erscheinen neue Episoden, die man auf dem Handy oder am Computer lesen kann. Diese E-Books haben mit dem gedruckten Buch nicht mehr viel gemeinsam, sondern erinnern eher an ein Zeitschriftenabonnement.

Der Aufbau einer solchen Reihe kann sich für die Verlage durchaus lohnen. Ob sie es als kostenfreies Marketinginstrument zur Leserbindung einsetzen, wie im Beispiel von Wolfgang Hohlbein, oder man doch den Versuch unternimmt, eigene Erlöse zu generieren, ist abhängig von der Ausgangssituation und den Zielen des E-Book-Engagements. Der Reihencharakter ermöglicht es, die Zielgruppe besser kennenzulernen. Im Gegensatz zur Monographie kann mit kontinuierlichen Maßnahmen auf Entwicklungen des Marktes eingegangen werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Social-Media-Einsatz, denn über die Fanpage oder Twitter kann der Verlag direkt mit den Lesern kommunizieren und ihre Anregungen in das Konzept einarbeiten.

Neben dieser eher langfristigen Ausrichtung kann man das E-Book genauso für Schnellschüsse nutzen, um mit kurzen Texten rasch auf aktuelle Trends zu reagieren. Auch Amazon hat diese Nische entdeckt und versucht sich mit einem eigenen Segment für kurze Texte. In der neuen Rubrik „Kindle Singles” sollen insbesondere Reportagen, Essays und Kurzgeschichten veröffentlicht werden.

Der Vorteil dieser „Mini-E-Books“ liegt im geringen Risiko gegenüber größeren Projekten, die gedruckt erscheinen. Ein Text mit zehn bis fünfzehn Seiten ist schnell lektoriert und gesetzt, verursacht demnach also auch weniger Kosten. Dem Verlag bietet sich daher die Chance zu experimentieren, ohne dass gleich horrende Summen investiert werden müssen.

Außerdem könnten sich neue Impulse in der Preissetzung für E-Books entwickeln. Bisher empfinden Konsumenten die Preise in der Regel als zu hoch, weil sie diese automatisch mit gedruckten Büchern vergleichen. „Mini-E-Books“ dagegen könnten sich am Pricing-Modell von iTunes orientieren und für 79 oder 99 Cent verkauft werden. Niedrigere Preisschwellen würden vermutlich dem gesamten deutschen E-Book-Markt Auftrieb geben.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der für kürzeren Lesestoff spricht, ist das veränderte Leseverhalten, dass vor allem die Digital Natives durch das viele Lesen am Monitor geprägt hat. Es erfordert kurze, prägnante, gut aufbereitete Inhalte, die eine schnelle Informationsaufnahme gewährleisten.

Kommentare

1 Kommentar zu "Cigdem Aker: Wie sich das E-Book emanzipiert"

  1. Im Februar diesen Jahres ist bereits ein unveröffentlicheter Kurzgeschichtenband, ich glaube er erscheint als Print erst im nächsten Jahr, von Dirk Bernemann als „Album“ erschienen. Das heisst das Buch wurde wie ein Musikalbum in 8 einzelne Tracks zu je 0,99 Euro geteilt, wobei jeder Track 3 Kurzgeschichten als ebook umfasste. Ich habe mir einen Track gekauft, aber ich warte doch lieber auf das gedruckte Buch. Wer hat schon Lust viele einzelne Datein zu haben, die man dann mühsam zusammensuchen muss? Ich denke da muss man vielleicht etwas weiter denken.

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