Es entsteht eine Goldgräberstimmung

Hans-Peter Übleis (59) ist seit 1998 ProgrammGeschäftsführer bei Droemer Knaur. Gesellschafter des Publikumsverlags sind Weltbild und Holtzbrinck.

Bringt dieser Herbst den E-Book-Durchbruch?
Der Sprung erfolgt in diesem oder im nächsten Weihnachtsgeschäft. Ob schneller oder etwas später, spielt keine Rolle, wir sind vorbereitet. Wichtig ist die Grundeinstellung, an etwas Neuem, dass sowieso kommt, zu partizipieren und an vorderster Front mitzugestalten.

Ist die Aufgeregtheit aus dem Thema raus?
Ja, weil sich für die Publikumsverlage in den letzten 12 Monaten viel geklärt hat. Trotz aller Diskussion darüber, wer welchen Anteil vom E-Book-Kuchen bekommt, ist Autoren, Agenten und Verlagen klar geworden, dass sie bei der Entwicklung dieses Marktes in einem Boot sitzen. Das Selbstbewusstsein gegenüber Apple, Google, Amazon und Co. ist gewachsen, weil wir erkannt haben, dass wir mit unseren Inhalten den wesentlichen Trumpf haben. Wir agieren trotz der unterschiedlichen Wirtschaftskraft auf Augenhöhe, weil die großen Verlagsgruppen energisch ihre Strategie verfolgt haben…

… und Amazon nicht mehr allein auf der anderen Seite steht?
Klar, sie haben jetzt nicht mehr 90% Marktanteil. Es mischen mehr Player mit, es gibt unterschiedliche Wege und Geräte. Ein ganz normaler oligopolistischer Markt ist im Entstehen und wir generieren mit den Autoren den Inhalt. „Content is King“ gilt auch im digitalen Zeitalter.

Um diesen Satz aus den 90er-Jahren war es zuletzt ruhig geworden…
Da haben uns die letzten Monate und viel Vorarbeit vor allem der amerikanischen Kollegen erheblich weitergebracht. Das war Learning by doing.

Stellt sich auch in der Produktion Routine ein?
Im Prinzip ja, denn jetzt kommen alle wesentlichen Novitäten parallel als E-Books. Die Prozesse sind da, der Markt wird sich entwickeln. Keiner weiß, ob wir in 10 Jahren einen E-Marktanteil von 8, 10, 20 oder mehr Prozent haben werden. E-Books werden jedenfalls einen erheblichen Marktanteil haben, ohne das gedruckte Buch zu verdrängen. Trotz teilweiser Kannibalisierung entsteht auch erheblicher Zusatzumsatz, wir erreichen auch neue Kunden. Die Verlage werden gemeinsam mit ihren Autoren weiterhin die Hoheit über den Inhalt haben, werden noch mehr Vertriebswege bespielen und die Inhalte weiterentwickeln, weil es für manche Formate und Vertriebswege zweifellos nicht genügt, 1:1 zu übertragen.

Vorhang auf für angereicherte E-Books?
Anreichern allein genügt nicht, wir müssen zum Teil ganz neue Inhalte entwickeln. Das ist spannend und neu. Es wird ein ziemlicher Adrenalinschub in der Branche freigesetzt, es entsteht fast eine Goldgräberstimmung.

Ein Adrenalinschub nach der Angst…
Es hat sicher vorübergehend wie Schockstarre ausgesehen – Verlagskaninchen vor elek­tronischer Schlange, Autoren als Goldfische in den Fängen der Kraken – aber jetzt wurde jede Menge Energie und Kreativität freigesetzt.

Die Fragen stellte Thomas Wilking

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