Die Hand am Gerät

Der Buchbranche wird immer mal wieder vorgehalten, sie habe das vergangene Jahrzehnt sozusagen im technologischen Tiefschlaf verbracht. Auch wenn man vielleicht darüber streiten kann, ob Buchverlagen und -händlern wirklich ein Vorwurf daraus zu machen ist, dass sie weder Computer- noch Internetfirmen sind, ist jedenfalls so viel richtig: Die wichtigen technischen Innovationen der jüngeren Vergangenheit sind für die Buchbranche „von außen“ gekommen.

Vor diesem Hintergrund sind es interessante Ausnahmen von der Regel, wenn zum Beispiel Thalia beim E-Book-Reader Oyo und mehrere Verlage bei den interaktiven Lernstiften Tiptoi und Ting selbst aktiv die Entwicklung von Hardware zur Vermarktung ihrer Inhalte betrieben haben. Die Erfahrungen, die sie damit machen, werden in der Branche mit Interesse registriert werden, denn natürlich hat es große Vorteile, Entwicklung und Vertrieb der Technik zu kontrollieren, mit deren Hilfe die Inhalte transportiert werden sollen.

Das ist allerdings nicht ohne Risiko. Ob die Konsumenten Lesegeräte und Lernstifte zum Beispiel für attraktive Produkte oder überflüssigen Schnick-Schnack halten, ob ihnen das Preis-Leistungs-Verhältnis zusagt – die Einschätzung solcher Fragen gehört bisher nicht unbedingt zur Kernkompetenz buchhändlerischer Unternehmen. Aber das muss ja nicht so bleiben. Und wenn die Akteure der Buchbranche nicht Gefahr laufen sollen, ihre Handlungsfähigkeit an die Apples, Googles und Amazons dieser Welt zu verlieren, führt an Experimenten à la Oyo, Ting und Tiptoi kein Weg vorbei.

aus buchreport.express 41/2010

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