Die üblichen Verdächtigen

Welches sind die Lieblinge des Feuilletons? buchreport hat die Beilagen und Rezensionsschwerpunkte der überregionalen Tageszeitungen „FAZ“, „Süddeutsche Zeitung“ und „Welt“ sowie der „Zeit“ und des „KulturSPIEGEL“ zur Frankfurter Buchmesse ausgewertet, insgesamt 212 Buchbesprechungen. Die Stichprobe fördert Folgendes zutage:

  • Trotz des Naserümpfens über einzelne Entwicklungen bei Suhrkamp erhalten die Bücher aus dem Neu-Berliner Verlag weiterhin die größte Aufmerksamkeit: In 26 Beiträgen werden insgesamt 18 Suhrkamp-Titel besprochen.
  • Auf feuilletonistischer Augenhöhe agiert Hanser mit 18 Besprechungen plus sieben Rezensionen von Titeln der Töchter Nagel & Kimche und Zsolnay.
  • Auf den weiteren Plätzen die üblichen Verdächtigen: S. Fischer und Rowohlt (je 13), C.H. Beck (11); die Besprechungen von Büchern der verschiedenen Random House-Marken summieren sich auf elf.
  • Insgesamt kommen 73 Verlage zum Zuge, die Hälfte haben „hohe Hausnummern“, sind also im buchreport-Ranking die „100 größten Verlage“ gelistet.
  • Das heißt umgekehrt: Auch kleinere Verlage haben eine Chance. Kunstmann, Unionsverlag, Wagenbach und Wallstein beispielsweise haben mehrfach Titel platzieren können.

Blick auf argentinische Literatur

Bei den meistbesprochenen Autoren erweisen die Feuilletons dem Buchmesse-Gastland Argentinien ihre Reverenz:

  • Purgatorio“ (S. Fischer) des im Januar gestorbenen Schriftstellers Tomás Eloy Martinez besprechen vier der fünf überregionalen Medien.
  • Von Suhrkamp-Autor Martin Kohan werden mehrere Romane vorgestellt, vor allem aber die aktuell in Deutsch erschienene „Sittenlehre“.
  • Die „Zeit“ widmet sich sechs Büchern von César Aira.

Auch die Vorauswahl zum Deutschen Buchpreis hat Hilfestellung gegeben: Vier der sechs Shortlist-Titel sind unabhängig vom Ausgang der Wahl zur Buchmesse von mehreren Zei­tungen/Zeitschriften besprochen worden, darunter auch Preisträgerin Melinda Nadj Abonjis Tauben fliegen auf“.

Andreas Maier und Sofi Oksanen im Fokus

Zu den mehrfach von den Redaktionen ausgewählten Autoren gehört auch
Andreas Maier („Das Zimmer“), für den sich die Rezensenten bereits vor der gerade bekannt gegebenen Auszeichnung des mit 30.000 Euro dotierten Wilhelm-Raabe-Preises entschieden hatten. Angetan sind die professionellen Buchleser schließlich auch von der schrillen Finnin Sofi Oksanen und ihrem Roman „Fegefeuer“ (siehe Übersicht am Ende des Artikels).

Die Wirkung von Rezensionen auf den Bücherkauf wird in den Verlagen als zuletzt „nachlassend“ bezeichnet. Die Auswahl des hier betrachteten Großfeuilletons entfaltet allerdings eine Multiplikationswirkung, weil sich weitere Medien wie die in der deutschen Zeitungslandschaft dominierende Regionalpresse daran orientieren.

Rezensenten-Hitliste zur Buchmesse*

Vier Besprechungen

  • Tomás Eloy Martinez: Purgatorio (S.Fischer)

Drei Besprechungen

  • Martín Kohan: Sittenlehre (Suhrkamp)
  • Thomas Lehr: September (Hanser)
  • Andreas Maier: Das Zimmer (Suhrkamp)
  • S. Oksanen: Fegefeuer (Kiepenh. & Witsch)
  • Doron Rabinovici: Andernorts (Suhrkamp)
  • J. Zander: Dinge, die wir heute sagten (dtv)

Zwei Besprechungen

  • Hannah Arendt/Gershom Scholem: Briefwechsel 1939–1964 (Jüdischer Vlg./Suhrk.)
  • F.Beigbeder: Ein französischer Roman (Piper)
  • Thilo Bode: Die Essensfälscher (S. Fischer)
  • G. Deutscher: Im Spiegel d. Sprache (Beck)
  • Lars Gustafsson/Agneta Blomqvist:
  • Alles, was man braucht (Hanser)
  • Michael Hagner: Der Hauslehrer (Suhrkamp)
  • Jaron Lanier: Gadget (Suhrkamp)
  • Herfried Münkler: Mitte und Maß (Rowohlt)
  • Haruki Murakami: 1Q84 (DuMont)
  • Melinda Nadj Abonji: Tauben fliegen auf (Jung und Jung)
  • Tom Segev: Simon Wiesenthal (Siedler)
  • E. Straub: Zur Tyrannei der Werte (Klett-Cotta)
  • K. Thúy: Der Klang der Fremde (Kunstmann)
  • Colm Toibin: Brooklyn (Hanser)
  • J.-P. Toussaint: Die Wahrheit über Marie (FVA)
  • Bernd T. von zur Mühlen: Hoffmann von Fallersleben (Wallstein)

* in den Buchmesse-Schwerpunkten der überregionalen Zeitungen/Zeitschriften „FAZ“, „Süddeutsche“, „Welt“, „Zeit“ und „KulturSPIEGEL“, Quelle: Angaben der Redaktionen/buchreport

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