Die Techniker dürfen nicht die Kontrolle über den Markt übernehmen

Mit einer auffällig kämpferischen Rede hat der Vorsteher des Börsenvereins die Frankfurter Buchmesse eröffnet. In seinem Vortrag warnte Gottfried Honnefelder davor, dass die Techniker von Google die Kontrolle über den Buchmarkt einnehmen. Und warf der Bundesregierung vor, in der Frage, ob E-Books unter den reduzierten Mehrwertsteuersatz fallen sollen, zu zögerlich zu agieren.

Für die Gäste im Congress Center der Messe Frankfurt war die Eröffnungsfeier eine dichotome Erfahrung: Hier die emotionalen Reden von Cristina Fernández de Kirchner, der argentinischen Präsidentin, sowie der Autorin Griselda Gambaro, in denen an die Militärdiktatur und die anschließende Zeit der Aufarbeitung der traumatischen Erfahrungen erinnert wurde.

Dort die nüchternen Referate von Honnefelder, Außenminister Guido Westerwelle, dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (die mit der Ehrenplakette des Börsenvereins ausgezeichnet wurde) und Messechef Juergen Boos zur Lage der Büchernation.

Gleichwohl hat zumindest Honnefelder seine Rede kräftig mit Seitenhieben und Kritik gewürzt:

  • an den „Propheten des Medienwandels“, die auf die „Apokalypse des gedruckten Wortes“ warteten – und denen Honnefelder entgegenhielt, dass Bücher die „perfekte Form“ hätten, die jetzt nur in digitale Formate ausdifferenziert werde, ohne das Print-Buch zu gefährden.
  • an der Bundesregierung, die in der Frage, ob E-Books und Hörbuch-Downloads unter den reduzierten Mehrwertsteuersatz fallen sollen, zu zögerlich agiert habe und dadurch denen Aufwind verliehen habe, die den reduzierten Satz ganz abschaffen wollten (eine Anspielung auf die Studie aus dem Finanzministerium).
  • und am Technologie-Unternehmen Google, das bei einem für die Firma positiven Ausgang im „epochalen Rechtsstreit“ um das Google Settlement schlagartig zum größten Buchhändler der Welt aufsteigen würde – diese Buchhandlung werde dann von Technikern und Datenbankspezialisten geleitet, warnte der Vorsteher. „Google könnte den Zugang zur gigantischen Bibliothek öffnen und wieder schließen.“

Bei Westerwelle kam Honnefelders Appell an die Regierung zumindest an. Abweichend von seinem Manuskript sicherte der Minister dem Verband zu, dass die Regierung mit dem Bundestag gemeinsam daran arbeiten werde, „dem Buch gute Rahmenbedingungen zu verschaffen“.

Außerdem setzte sich Westerwelle, ebenfalls abweichend von seinem Manuskript, für den Schutz des geistigen Eigentums ein. „Wer das geistige Eigentum nicht schützt, wird das geistige Eigentum verlieren“. Dabei verglich Westerwelle  den geistigen Diebstahl mit dem Klau im Supermarkt – auch im Eigenbedarf.

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