Buchhändler sind entscheidend für das Modell

Wann startet Google den eigenen E-Book-Vertrieb, war im Vorfeld der Messe eine der meistgestellten Fragen. Bei der TOC-Konferenz von O’Reilly hat Abraham Murray erklärt, dass Google Editions nach mehrfachen Verzögerungen noch in diesem Jahr in den USA starten soll; anschließend, voraussichtlich 2011, folge der Start in der ersten Jahreshälfte 2011. Weitere Details:

  • Zum Start sollen 400 0000 englischsprachige Titel angeboten werden plus zusätzliche 2 Mio gemeinfreie Titel.
  • Die Editions sollen mit 35.000 Verlagspartnern auf 100 Länder ausgeweitet werden.
  • Der Vertrieb erfolgt über die Google-Seite selbst sowie Handelspartner aus dem Buchhandel (mehr im folgenden Interview)
  • Das Geschäftsmodell soll sich am Agency Model von Apple orientieren; Verlage sollen den Großteil der Erlöse, bis zu 70%, erhalten.
  • Print on Demand der digitalisierten Bücher (also ein Vertrieb gedruckter Bücher) sei nicht für Paid-Content-Bücher geplant, wohl aber für Public-Domain-Titel.
  • Offline können die Leser anfangs nicht mit der browserbasierten Editions-Variante  lesen; auf Geräten wie dem iPad soll dies jedoch möglich sein.
  • Verlage können ihre Titel als Epubs, in gedruckter Form oder als PDF an Google liefern.
  • Als Kopierschutz unterstützt Google Adobe Digital Editions.

Im Interview mit buchreport.de erklärt Chris Palma (Foto oben), Strategic Partner Development Manager für Google Books, die Verzögerungen. Und wirbt dafür, Buchhändler mit ins Editions-Boot zu holen.

Warum wurde der Start wiederholt verschoben?
Wenn man berücksichtig, dass wir eine geräteunabhängige E-Book-Lösung entwickeln und eine Übereinkunft unter Verlegern, Autoren, Händlern, Lesern und Geräteherstellern schaffen, wird das Ausmaß unserer Arbeit deutlich. Wir wollen sichergehen, dass wir nicht etwas reproduzieren, was es schon gibt.

Weltweit gibt es verschiedene Verleger und Verbände mit Ansätzen, digitale Bücher zu vertreiben. Was ist der Vorteil Ihres Vertriebs?
Das eine wie das andere machen zu können. Genauso wie Verlage ihren Gewinn auf dem Printmarkt durch eine Kombination von Verkäufen an Konsumten, den Einzelhandel und eine Vielzahl von Großhandelsmodellen maximiert haben, glauben wir, dass E-Books stärker angenommen werden, wenn Kunden Bücher bei einer Vielzahl von Bezugsquellen kaufen kön­nen, ohne an bestimmte Geräte und geschlossene Systeme gebunden zu sein.

Wir arbeiten derzeit mit verschiedenen Buchhändlern und Verbänden zusammen, um Google Editions durch ihre Angebote zugänglich zu machen, ohne dass sie große Investitionen in Technologie, Lizenzen, Aufbewahrung und Sicherheit von Inhalten tätigen müssen. Und: Wir streben nicht nach Exklusivität. Wir können den Verkauf unter der Marke einer anderen Firma unterstützen und das Finden und Verkaufen durch Google Book Search steuern.

Warum misstrauen Sie dem Potenzial von E-Readern à la Kindle als Einzelgerät und forcieren stattdessen das Lesen im Browser?
Wir wollen, dass die Menschen Geräte benutzen können, die sie bereits besitzen – inklusive dedizierter E-Reader. Wir glauben, dass die Leute E-Books auf verschiedenen multifunktionsfähigen Geräten lesen wollen, ob PC, Netbook, Tablet oder Smartphone. Deshalb unterstützt unsere Plattform all diese Geräte.

Sie haben einmal gesagt, die Zukunft der Verlage liege in der Cloud, in der Sie die Editions-Titel veröffentlichen. Inwiefern?
Ich würde Das Drucken auf Papier noch nicht auszählen, denn es gibt einen Grund dafür, warum dies 500 Jahre lang der dominante Modus des Informationstransfers war – dies ist eine sehr gute und haltbare Technologie. Die digitale Inhalte-Distribution wird einmal die Vorherrschaft übernehmen, bis dahin jedoch werden wir vermutlich in einer hybriden Welt leben. Die Cloud als verlegerische Plattform – statt als Inhalte-Management- und Konsum-Plattform, wie wir sie mit Google Editions planen –, diese Zukunft ist heute schon da. Manuskripte werden online gehosted und redigiert, in Zusammenarbeit mit den Autoren; Designer entdecken und kaufen Bilder und Schriften über das Web und arbeiten anschließend mit Autoren und Marketing zusammen; die Buchdrucker und Schriftsetzer laden PDF und andere Dateitypen herunter und hosten sie zum digitalen und Print-Vertrieb. Die Cloud hat sich schon seit einem oder zwei Jahrzehnten enorm positiv auf die Kosten der Verlage ausgewirkt. 
 
Traditionelle Buchhändler kämpfen nicht nur gegen die Rezession, sondern fürchten, weitere Marktanteile an Online-Händler wie Amazon und Google zu verlieren. Was könnte ihr Geschäftsmodell sein?
Wenn Verlage ihren Fokus auf den Online-Vertrieb setze, wird das digitale Universum weiter wachsen. Buchhändler haben die große Chance, eine entscheidende Rolle zu spielen, wie sich ihre Kunden in diesem Riesenangebot zurechtfinden. Buchhändler brauchen sich nicht darum zu sorgen, wo und wie Bücher gelesen werden, solange sie weiterhin eine vertrauensvolle Mittelsperon zwischen Autoren und ihren lesenden Stammkunden sind. Sie müssen ihre Präsenz in der Community ihrer Leser aufbauen, offline wie im Internet. Buchhändler haben tiefe lokale Wurzeln, die ein wertvoller Vorteil sind, und Vermarktung ist das, was sie am besten können.

Wir wollen den Buchhändlern, die vielleicht nicht die Mittel haben, eine E-Book-Infrastruktur aufzubauen, eine E-Commerce-Plattform ge­­ben, auf der sie ihre Waren präsentieren, ihre offline aufgebaute Verbindungen in die digitale Welt verlängern und neue Kunden unabhängig vom Ort erreichen können. Unsere Partnerschaft mit der American Booksellers Association wird die Technologie für mehr als 200 unabhängige Buchhändler bereitstellen, mit der sie Google Editions ihren Stammkunden anbieten können, mit Google als Zwischenhändler. Buchhändler sind absolut entscheidend für unser Modell.

Sie haben auch schon für traditionelle Verleger gearbeitet. Wie schätzen Sie deren zukünftige Rolle ein?
Sich um das Beste zu kümmern, was gedacht und geschrieben wird, ist weiterhin entscheidend, wird für den Erfolg in der digitalen Welt aber nicht ausreichen. Verleger werden Technologie-Experten einstellen müssen. Ihre Arbeit wird Teil des Mehrwerts sein – von Design und Produktion bis zu Marketing und Vertrieb. Für Verleger, die imstande sind, neue Technologien anzupassen und anzunehmen, sieht die Zukunft gewiss sehr rosig aus.

Die Fragen stellte Daniel Lenz

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