Am 28. ist Showdown

Die Aktionärsversammlungen von Barnes & Noble waren in der Vergangenheit eher langweilige Veranstaltungen. Doch am morgigen Dienstag, 28. September, wird es spannend. Mit der Wahl von drei neuen Vorstandsmitgliedern stimmen die Gesellschafter am kommenden Dienstag über mehr als nur die künftige Zusammensetzung des Führungsgremiums ab: Sie legen mit ihrer Entscheidung den Grundstein für die weitere Zukunft des weltweit größten Buchhändlers.

Wie buchreport bereits berichtete, wird die Hauptversammlung zum großen Showdown zwischen Großinvestor Ron Burkle und Chairman Len Riggio, Gründer, Mehrheitsgesellschafter und starker Mann von Barnes & Noble, ohne dessen Zustimmung (noch) gar nichts geht.

Riggio hat gemeinsam mit CEO William Lynch drei Männer seines Vertrauens für die turnusgemäß frei werdenden Posten nominiert, Burkle über seine Investmentfirma Yucaipa sich selbst und zwei weitere Kandidaten.

  • Setzt sich Riggio durch, kann Barnes & Noble in aller Ruhe den in den vergangenen Monaten eingeleiteten Umbau zum Multichannel-Händler mit starker digitaler Ausrichtung fortsetzen.
  • Ziehen Burkle und Freunde in den Vorstand ein, kann sich Lynch auf unbequeme Zeiten einstellen, denn der Investor macht kein Hehl daraus, dass er mit der strategischen Ausrichtung des Konzerns nicht einverstanden ist und eigene Ziele verfolgt, die er bislang jedoch noch nicht öffentlich gemacht hat.

Die Abstimmung ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Zwar ist Riggio gemeinsam mit seiner Familie größter Aktionär und kommt auf etwa 35% Anteile, doch es gilt als ziemlich sicher, dass Burkles Yucaipa von der Investmentfirma Aletheia unterstützt wird, die 15,09% hält, was wiederum bedeuten würde, dass Burkle auf Augenhöhe mit den Riggios antritt.

Das Zünglein an der Waage sind die Institutionen und Einzelaktionäre, um die inzwischen ein heftiger Kampf entbrannt ist. Zwar hat sich mit Institutional Shareholders Services eine wichtige Beratungsfirma für Aktionäre für Burkle ausgesprochen, drei andere Spezialisten haben sich jedoch fast gleichzeitig als Symphatisanten des aktuellen Managements geoutet.

Abgesehen von der Frage, warum Multimilliardär Burkle plötzlich partout Buchhändler werden will, verblüfft Beobachter vor allem die tiefe Feindseligkeit, die zwischen den beiden Männern herrscht und die mit jeder neuen öffentlichen Erklärung zuzunehmen scheint. So zitierte die „New York Times“ Riggio, dass er eigentlich keine Lust habe, seine Zeit damit zu verbringen, „jemanden nicht zu mögen“. Offen ließ der 69-Jährige in dem Artikel, ob er tatsächlich ein Übernahmeangebot für den Fall vorbereitet, dass Burkle am 28. September doch die Abstimmung gewinnt.

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