Postskriptum: Guttenberg statt Tittengirl

Engagierte Debattenbücher mischen derzeit den Buchmarkt auf. Als nächster Bestseller-Kandidat tauchte Anfang der Woche das im Kreuz Verlag erschienene „Schaut nicht weg!“ von Stephanie zu Guttenberg (Foto) auf: Am Montag schaffte die Ministergattin es mit ihrem per Buch vorgetragenen Alarmruf „Pornografie verdirbt unsere Kinder“ auf die Titelseite der „Bild“-Zeitung (mehr hier). Interessanterweise verzichtete Deutschlands größtes Boulevardblatt an diesem Tag auf das halbnackte „Bild-Girl“, das ansonsten seine Seite 1 ziert. Da sage noch einer, dass Bücher nichts bewegen können.  

Anfang: Aufsehenerregend

Ein schräges Vergnügen verspricht die Lektüre des für November von Blanvalet angekündigten Ratgebers „SEX haben GELD machen GOTT finden“ des Autorengespanns Benrik Ltd. Wie einer der Blanvalet-Herbstvorschau beigelegten Leseprobe zu entnehmen ist, empfiehlt das Buch etwa, einen Überraschungsbestseller zu schreiben, um „noch vor dem 40. Geburtstag stinkreich zu werden“. Um die Arbeit zu erleichtern, schlagen die Autoren u.a. folgenden Romananfang vor: „Sie sieht überhaupt nicht aus wie 18, dachte Papst Johannes Paul III., als er sich das letzte Viagra in den Mund warf.“ Ich würde sagen, das ist eine sichere Bank: Wenn man damit selbst keinen Bestseller hinbekommt, hat man immer noch gute Chancen auf eine Erwähnung im nächsten Bestseller von Stephanie zu Guttenberg.

Hexen: Humoristisch

Das jetzt bei cbj erschienene Buch „Da wackeln die Vampirzähne. Die besten Kinderwitze“ lenkt unsere Aufmerksamkeit auf den Umstand, dass Hexen-Witze trotz des anhaltenden Fantasy-Booms ein humoristisches Mauerblümchendasein fristen. Kostprobe: „Meint eine Hexe zur anderen: ,Ich habe gehört, dass du einen neuen Kühlschrank gekauft hast. Was hat er denn für ein Fassungsvermögen?‘ Antwortet die andere: ,Das kann ich nicht so genau sagen – Hänsel und Gretel haben aber problemlos reingepasst.“ Har har.  

Bruni: Beschrieben

Frankreich giert einer nicht autorisierten Biografie von Carla Bruni aus der Feder der Journalistin Besma Lahouri entgegen, die sich mit Brunis bewegtem Liebesleben beschäftigt. Die heutige Première Dame habe aus ihrem Lebenswandel früher nie einen Hehl gemacht, schreibt SPIEGEL ONLINE und zitiert aus einem Interview: „Monogamie langweilt mich fürchterlich.“ Das klingt verheißungsvoll, und vielleicht findet das Buch ja auch hierzulande seine Leser, wenn die Aufregung um Thilo Sarrazin sich wieder gelegt hat: Ein viel schöneres Thema als „Deutschland schafft sich ab“ wäre „Frankreich schmeißt sich ran“ allemal.

aus buchreport.express 37/2010

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