Rockefeller reloaded

Der legendäre amerikanische Milliardär J.D. Rockefeller verschleuderte Öllampen zu Spottpreisen und machte danach ein Vermögen mit dem Verkauf des Lampenöls. Das nach ihm benannte Rockefeller-Prinzip scheint jetzt Schule im deutschen Buchhandel zu machen: Der Versuch, dem lahmenden E-Book-Markt auf die Sprünge zu helfen, lässt die Preise für E-Book-Reader purzeln, die vor wenigen Monaten noch durch die Bank deutlich jenseits der 200-Euro-Schwelle lagen. Nachdem Weltbild vor einigen Wochen mit einem Gerät für 149,99 Euro an den Start gegangen ist, stellte Thalia jetzt auf der IFA seinen Reader für 139 Euro vor.

Für Weltbild und Thalia wird bei solchen Preisen nicht viel hängenbleiben. Aber dass sich nach dem Rockefeller-Prinzip große Märkte erschließen lassen, zeigen moderne Beispiele wie der Boom des Mobilfunkmarktes, der durch subventionierte Handys von den Netzbetreibern in Schwung gebracht wurde. Der Vergleich zeigt allerdings auch die Grenzen bei der Übertragbarkeit des Prinzips auf den Buchmarkt. Da begrenzt das relativ überschau­bare Marktpotenzial die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Mit Preisen von über 100 Euro bleiben die Lesegeräte aus Kundensicht relativ teuer, von den 1-Euro-Angeboten der Mobilfunker ist die Buchbranche weit entfernt.

Anders als die Handynetz-Betreiber können Buchläden die Kunden auch nicht für Mindestlaufzeiten an sich binden, sondern nur mit Leistung und einfacher Bedienung. Aber deshalb sind fallende Reader-Preise auch eine gute Nachricht für alle Buchhändler, die sich auf das E-Book einlassen: Sie bringen die gesamte Branche der Erschließung des darin liegenden Potenzials näher.

Kommentare

1 Kommentar zu "Rockefeller reloaded"

  1. Jörg Hopfgarten | 9. September 2010 um 18:57 | Antworten

    Amazon hat vorgemacht, dass das Prinzip auch bei eBooks funktioniert und über den eigenen Market und das proprietäre Format seine Claims abgesteckt. Interessant ist die Frage, ob durch das offene Konzept des Oyo die Kundenbindung stark genug wird, um die erhofften Gewinne einzufahren. Doch für ein proprietäres Format hat in Deutschland die Zeit vorbei zu sein – ich denke, auch ein deutscher Kindle ist ohne ePub nicht denkbar.

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