Postskriptum: Animierende Anomalien

Der Anlageberater Dimitri Speck (Foto), seines Zeichens Chef-Entwickler für die quantitativen Handelsstrategien der Staedel-Hanseatic-Gruppe, tritt jetzt mit dem Buch „Petrus erfand Jesus. Wie die Wunderlegenden entstanden“ (MVG Verlag) an die Öffentlichkeit. Der Verlag erklärt dazu auf dem Waschzettel: „Dimitri Speck hat sich auf die Erforschung von Mustern und vernetzten Zusammenhängen spezialisiert. 1999 entdeckte er Anomalien in der Brotvermehrungslegende, mit deren Hilfe erstmals die Entstehungsgeschichte einer Erzählung des Neuen Testaments aufgezeigt werden konnte.“ Soso, Anomalien also. Das ist ja mal interessant. Normalerweise offenbaren solcherart bibelkritische Bücher vor allem Animositäten. 

Bezeichnungen: Beschnitten

Eine bislang wenig beachtete Form der Sprachverarmung entdeckt und beklagt Peter Dausend in der „Zeit“: „Wo sind eigentlich all die Zyprioten hin? Und die Pakistani? Ganz zu schweigen von den Iraki?“, fragt Dausend und klagt, stattdessen gebe es in den Medien nur noch „massenkompatibel getunte Stämme wie Zyprer, Pakistaner und Iraker (…) ER-bärmlich!“ In der Tat. Was der Sprachkritiker aber verschweigt, ist die noch viel dramatischere Verarmung bei den landsmannschaftlichen Bezeichnungen innerhalb Deutschlands selber: Wer spricht denn heute noch von Hessentiments, Friesematenten oder Bayerlichkeiten?   

Schröder: Scheiternd

Gerhard Schröder macht wieder durch seine charakteristische Klagefreude von sich schreiben: Wie die Medien am Wochenende berichteten, ist der Altkanzler mit dem Versuch gescheitert, von der „Hamburger Morgenpost“ eine Richtigstellung zu erklagen, und zwar des Inhalts, dass er bei der legendären Trunkenheitsfahrt der damaligen Landesbischöfin Margot Käßmann nicht deren Beifahrer war. Einen schön trockenen Kommentar zu diesem Gemisch skurriler Begebenheiten rund um die Beifahrerfrage liefert der Hamburger Medienrechtler Markus Kompa in seinem Blog: „Hatte Kachelmann eigentlich schon ein Alibi?“    

Körperöffnung: Kalkuliert

Wer hätte gedacht, dass in einem Buch mit dem Titel „Mit Buddha unterm Sonnenschirm. Ein Lesebuch für Nachdenkliche“ (jetzt erschienen bei dtv) folgende schöne Zeilen von Heinrich Heine zu finden sind: „Gott gab uns nur einen Mund, / Weil zwei Mäuler ungesund. / Mit dem einen Maule schon / Schwätzt zu viel der Erdensohn. / Wenn er doppeltmäulig wär / Fräß und lög er auch noch mehr. / Hat er jetzt das Maul voll Brei / Muss er schweigen unterdessen, / Hätt er aber Mäuler zwei / Löge er sogar beim Fressen.“ Aber ja, lieber Leser, darüber sollte man ruhig mal ein bisschen nachdenken.

aus buchreport.express 33/2010

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