Ohne fixe Preise von E-Books sind die Verlage flexibler

Seit dem zweiten Versuch der Buchbranche, mit digitaler Lektüre zu reüssieren, ist die Frage nach der Preisbindung ein strittiger Punkt. Während die Verlage in den vergangenen Monaten vorwiegend mit der Preisbildung und Rabattierung beschäftigt waren, rückt jetzt wieder die Preisbindung an mehreren Fronten in den Fokus.

In Frankreich wird ein Gesetz zur Bindung der Preise von E-Books auf den Weg gebracht. Und hierzulande könnte der Start des Kindle-Programms von Amazon das Thema wieder in den Vordergrund rücken. Im Interview mit buchreport.de zweifelt der Verleger Dirk Palm an der kulturpolitischen Begründung der E-Bindung. Der geschäftsführende Gesellschafter bei Palmedia Publishing Services (einem Dienstleister-Buchverlag aus Berlin, der auf Producing, Packaging und Corporate Publishing spezialisiert ist) geht davon aus, dass die EU-Kommission irgendwann intervenieren wird. Palm ist ein Referent bei der Expertentagung der Akademie des Deutschen Buchhandels zum Thema „Rechtliche Rahmenbedingungen für das E-Book-Geschäft und Preisbindung für Online-Produkte“ am 13. September in München. Hier mehr zum Programm.

In der Branche herrscht hinsichtlich der Preisbindung bei E-Books weiterhin Unklarheit. Erwarten Sie bald eine Aufklärung?  
Ich gehe davon aus, dass die kulturpolitische Begründung der Preisbindung bald erneut hinterfragt wird, vor dem Hintergrund der Frage, ob uns die Entwicklungen auf dem E-Book-Markt nicht längst überholt haben. Ich würde diese Frage bejahen, denn das durch die Preisbindung geschützte Buch als Kulturgut wird heute von anderen Medien ergänzt, die nicht minder wichtig sind. Dann ist die Frage: Wo ziehen wir die Grenze?

Wo?
Am besten gar nicht. Aus Kundensicht ist das auch nicht nachvollziehbar: Gedruckte Bücher sind preisgebunden und kosten 7% Mehrwertsteuer; E-Books sind gebunden, kosten aber 19% Mehrwertsteuer; und Hörbücher sind beim Preis frei, kosten aber ebenfalls 19% Steuer. Das zeigt die Unsicherheit auf diesem Gebiet. Der gedruckte Stadtplan ist preisgebunden, das Smartphone-App zur Navigation nicht. Die Partitur ist preisgebunden, die Einspielung auf CD oder MP3 nicht. Das versteht kein Kunde.

Der Börsenverein hat diese Themen bewusst lange Zeit nicht angefasst, aus Sorge, das Preisbindungsgesetz könnte von der Politik noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden…
Das kann ich gut nachvollziehen. Die Rechtsabteilung hat da viel Arbeit investiert. Dennoch bleibt die Frage, ob wir weiterhin auf der Insel der Glückseligen verharren können. Immerhin wird der Handel mit Medien internationaler – das Internet kennt keine Grenzen. Kleinere Verlage werden im Übrigen allein durch die Preisbindung nicht geschützt, könnten aber ohne fixe Preise beispielsweise vertrieblich innovativer agieren.

Wie?
Sie könnten direkt an die Kunden herantreten und sie über Rabatte motivieren, direkt beim Verlag zu kaufen – zum Beispiel kauf‘ vier Bücher, bezahl‘ nur drei. Damit würde der kleine Verlag immer noch besser dastehen als beim herkömmlichen Rabattsystem. Im englischsprachigen Raum kaufen auf bestimmte Themen spezialisierte Buchclubs kleinere Stückzahlen von Titeln von den Verlagen ein und bieten sie ihren Mitgliedern reduziert an. Auf diesem Weg können die Verlage spezielle Kundeninteressen effektiv bedienen. Die Preisbindung hilft in erster Linie den großen Buchhandlungen und Shops. Wenn Amazon bis zu 60% Rabatt fordert, aber keinen Preisvorteil an die Kunden weiterreichen muss, machen die ein Riesengeschäft. Irgendwann tritt die EU-Kommission auf den Plan und sagt: Das Gesetz ist obsolet.

Mehr zur Frage nach der Preisbindung bei E-Books im neuen buchreport.express (ET: 12. August).

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