Postskriptum: Sag zum Abschied leise Blödsinn

Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust hängt sein Amt an den Nagel. Bemerkenswert ist die Begründung, die er in der „Zeit“ für seine Amtsmüdigkeit lieferte: „Dieser blöde Satz, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der gilt auch für die Politik.“ Mit Verlaub, Herr von Beust, „dieser blöde Satz“ stammt aus „Stufen“, einem der schönsten und tiefsinnigsten Gedichte deutscher Sprache, verfasst von Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse. Beschäftigen Sie sich in Ihrem bevorstehenden Ruhestand ruhig einmal ein wenig mit dessen Werk. Oder dem eines anderen Blödmanns wie Johann Wolfgang von Goethe, Rainer Maria Rilke oder Heinrich Heine.

Dichter: Deplatziert

Apropos Heinrich Heine: Der Dichter soll nun als Marmorschädel in der Walhalla in Donaustauf bei Regensburg verewigt werden. Was die in besten Absichten verliehene Ehre zu einer zweifelhaften macht, ist der Umstand, dass Heine zu Lebzeiten nur Spott für die „marmorne Schädelstätte“ und ihren Erbauer König Ludwig I. von Bayern übrig hatte. Und so offenbart der Fall exemplarisch die Tücken postmortaler Ehren, gegen die man sich nicht mehr wehren kann. Gerade die größten Dichter und Denker haben dann nicht mehr die Wahl, sondern nur noch die Walhalla.

Buch: Boykottiert

Und noch eine Geschichte aus der Politik: Der ehemalige britische Vize-Premier Peter Mandelson hat ein Buch über die Regierungsjahre der Labour-Premierminister Tony Blair und Gordon Brown angekündigt. Das Vorhaben erregt Unmut in seiner eigenen Labour Party. Grund: Blair und Brown waren einander spinnefeind. Im September will die mittlerweile in die Opposition verbannte Partei mit der Wahl eines neuen Vorsitzenden „die Brown-Blair-Kriege hinter sich lassen“, schreibt SPIEGEL ONLINE und berichtet: „Einer der Kandidaten, Andy Burnham, hat schon erklärt, Mandelsons Buch nicht lesen zu wollen.“ Wow, entfährt es da dem beeindruckten Beobachter: Welch kraftvolles Signal! Wenn Burnham dem Autor zufällig begegnet, sollte er sich das Buch unbedingt auch nicht signieren lassen. Vor allem aber sollte er unbedingt zu einer Lesung gehen und nicht zuhören.

Sachau: Selbstzufrieden

Mit einem sehr hübschen Aufkleber wirbt Ullstein für das Buch „Wir tun es für Geld“ von Matthias Sachau. Aufschrift: „,Spitzenbuch!‘ Matthias Sachau“ (Foto). Das ist lustig. Zu befürchten ist allerdings, dass der Aufkleber bei Buchhandelskunden, die Kinder haben, das Gegenteil eines Kaufimpulses auslöst. Die werden das Buch reflexartig ins Regal zurückstellen und milde lächelnd murmeln: „Jaja, wichtig ist, dass es dir gefällt.“

aus buchreport.express 29/2010

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