Ab Moskau wird es teuer

Die Krise der Weltwirtschaft hinterlässt auch im russischen Buchmarkt ihre Spuren. Das explosive Wachstum in den 90er-Jahren wurde von einer Phase der Konsolidierung abgelöst. Mit Umsatzzahlen tun sich die Russen schwer, es wird (noch) sehr viel (und wenn, in Dollar) geschätzt: Für 2009 liegt die Schätzung der Föderalen Agentur für Presse und Medien bei ca. 2,5 Mrd Dollar (1,75 Mrd Euro), immerhin 20% weniger als im Vorjahr.

Dabei haben die 5824 russischen Verlage insgesamt 127 596 Neuerscheinungen (+3,5%) auf den Markt gebracht, 40% davon mit einer Auflage unter 500 Exemplaren. Die meisten Bücher wurden einmal mehr über den unabhängigen Buchhandel verkauft, der seinen Marktanteil um vier Punkte auf 39% verbessert hat. Weitere wichtige Vertriebswege 2009:

  • Der Filialbuchhandel hat 5% verloren und kommt nur noch auf 20%.
  • Supermärkte und andere Einzelhändler legen auf 12% (10%) zu.
  • Der Verkauf im Internet steigt von 6 auf 8%.
  • Der Versandhandel/Buchklubs fällt auf 3% (7%) zurück.

Abgekühlt hat sich der Markt auch, was Übersetzungen anbelangt: Lediglich die deutschen Rechtehändler konnten sich über einen Zuwachs von 4% auf 964 verkaufte Buchlizenzen freuen. Damit haben sie Boden zu den Franzosen gut gemacht, die zwar zweitstärkster Lizenzgeber blieben, aber mit 1102 Titeln um 10,8% im Vergleich zu 2008 zurücklagen. Übersetzungen aus den USA und Großbritannien waren weiterhin Spitze, doch auch hier gab es mit 8804 Deals einen Rückgang von 9,2%.

Russland: Der Buchmarkt der langen Vertriebswege

Zu den größten Schwächen des Marktes gehören die langen Wege. Moskau ist das unumstrittene Zentrum der russischen Buchbranche – 60% aller Bücher werden hier verlegt –, doch das Buchvertriebsnetz ist nicht nur schlecht ausgebaut, sondern auch teuer. Vor allem die Versandkosten sind hoch, was dazu führt, dass Bücher, wenn sie endlich in der Provinz ankommen, mit saftigen Aufschlägen verkauft werden, die bis zu 300% betragen können.

Das Internet ist für die meisten Russen (noch) keine Alternative, weil vielfach die technischen Voraussetzungen fehlen. Zwar haben ca. 64% aller Moskauer Haushalte einen Internetanschluss, aber landesweit sind es nicht mehr als etwa 30%. Entsprechend überschaubar fallen die Buchumsätze aus: Russlands größter Online-Medienhändler Ozon hatte umgerechnet 79,5 Mio Euro in der Kasse (plus 21%) und deckt damit (geschätzte) 40 bis 45% des Internetgeschäfts mit Büchern ab.

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