Postskriptum: Wagenbachs Wärme

Mit „Die souveräne Leserin“ von Alan Bennett landete der Wagenbach Verlag einen Bestsellererfolg. In einem Interview des SPIEGEL lästerte Verleger Klaus Wagenbach jetzt: „Einmal habe ich das Buch auf dem Bestsellerregal bei Thalia besucht. Ich glaube, es fror. Es fühlte sich fremd, weil es so anders war als die anderen, die ja dafür gemacht sind, nach drei Monaten wieder aus den Buchhandelsregalen zu fliegen.“ Man darf gespannt sein, ob der Verlag seinen nächsten Bestsellerkandidaten nach dieser Erfahrung mit Lammfell- statt mit Leineneinband herausbringen wird.

Schland: Schön

In der „Zeit“ freut sich Peter Kümmel über den nationalen Kosenamen „Schland“, der entstanden sei aus „akustischer Schlacke“, nämlich dem, „was hörbar bleibt, wenn Tausende von Fußballfans im Chor ,Deut-schland‘ brüllen“. Die Qualität des Begriffs erklärt Kümmel bildhaft, dass man sich „Schland“ als „weiches, womöglich blindes Reit- und Kuscheltier“ vorstellen könne, „an dessen Fransen auch Erwachsene in unbeobachteten Momenten heimlich lutschen“. Bleibt hinzuzufügen, dass „Schland“ auch den praktischen Vorteil hat, dass es sich nicht nur im übertragenen Sinne einen Deut schneller aussprechen lässt als sein Ursprungsbegriff.

Rooney: Rasiert

Mit einer im Wortsinne an den Haaren herbeigezogenen Erklärung für die Niederlage der englischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Deutschland wartet das Massenblatt „Daily Mail“ auf: Der englische Stürmerstar Wayne Rooney habe durch Enthaaren seiner breiten Brust seine Kraft verloren wie der alttestamentarische Kraftprotz Samson. Der Vergleich hinkt aber nicht nur, weil die kraftspendende Haarpracht in Samsons Fall das Haupt zierte. Als haarige Ursache für die englische Niederlage lässt sich angesichts von vier deutschen Toren allenfalls fehlende Haarmonie im Zusammenspiel der englischen Verteidiger ausmachen. 

Kreisler: Kritisch

Apropos: Was grundsätzlich von alttestamentarischen Vergleichen zu halten ist, lässt sich in dem hübschen Büchlein „Georg Kreisler für Boshafte“ nachlesen, das jetzt bei Insel erschienen ist: „Seit Lots Weib ist viel Zeit vergangen. Heutzutage erstarrt man zur Salzsäule, wenn man nach vorne blickt, nicht wenn man zurückschaut.“

Präsent: Passend

Zum Schluss ein Fundstück aus dem Internet: Die Verlagsgruppe Handelsblatt ködert dort potenzielle Abonnenten derzeit mit einem „hochwertigen, ferngesteuerten Mini-Helikopter aus Aluminium“. Offenbar wollen die Wirtschaftsspezialisten aus Düsseldorf damit ausdrücken, dass ihre typischen Leser Vielflieger sind, die ständig rotieren.

aus buchreport.express 26/2010

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