Ina Fuchshuber: E-book, wo bist du?

Ina Fuchshuber: E-book, wo bist du?

Obwohl das Android-Smartphone-Betriebssystem das iphone OS was die Zahl der Geräte angeht schon überholt hat, wurde die Google Plattform von den großen (e-)Buchhändlern bisher stiefmütterlich behandelt. Heute gibt es insgesamt ca. 70.000 (Stand: Juni 2010) verfügbare Android-Apps (und täglich kommen 500 deutsche Apps hinzu) – davon sind jedoch nur knapp 2000 E-Books. Ganz anders im AppStore, wo E-Books die größte Kategorie stellen.

Insbesondere deutsche E-Books für Android suchte man bisher (fast) vergebens. Ausnahmen waren nur die E-Books von beam E-Books (in der Aldiko-App), ein paar Testballone von Textunes sowie ein paar Klassiker in der wattpad-App.

Textunes – einer der größten Anbieter von E-Books für das iphone – starten erst im Herbst mit einer Android-App. Heubach Media – auf dem iphone für einige E-Book-Bestseller gut – ist im Marketplace erst mit 13 Büchern vertreten.

Seit Dienstag hat nun der geneigte Android-Smartphone-Besitzer auch endlich die Möglichkeit, einfach E-Books via Amazons Kindle App oder txtr-App auf sein Handy zu holen. Und wirklich: Mit der txtr-App hab ich nun auf einen Schlag rund 20.000 deutsche E-Books auf meinem Handy verfügbar – ein Anfang, auch wenn man dort keine aktuellen Bestseller findet.

Warum es kaum E-Books im Android Marketplace gibt

Gründe für eine bisherige Zurückhaltung der Anbieter auf dem Android System gibt es m.E. mehrere:

Von einem iBookStore ist der Android Marketplace weit entfernt: Es gibt derzeit nicht mal die Kategorie Bücher, finden kann man die E-Books nur mit direkter Suche. Dabei erzielt das Keyword „E-Book“ dann mal eben 1880 ungeordnete (englische und chinesische) Bücher.

Auch die Verkaufszahlen der englischen E-Books im Marketplace lassen derzeit nicht auf große Chancen auf dieser Plattform hoffen: Zwischen 50-100 mal verkauften sich die „Bestseller“ unter den E-Book-Apps – da ist noch viel Luft nach oben.

Nutzer von Android Phones scheinen ein anderes App-Kaufverhalten als iphone-Benutzer zu haben. Apple wirbt sehr dezidiert und auf breiter Front mit Apps – und hat sich als in den Köpfen als DER App-Anbieter festgesetzt. Android-Geräte werden nicht in erster Linie wegen der verfügbaren Apps gekauft.

Für Android-Apps bezahlen die Nutzer auch im Durchschnitt weniger als beim großen Konkurrenten mit dem Apfel: Während im AppStore durchschnittlich 4,01 $ pro App auf den Tresen gelegt werden, sind es im Android Marketplace nur 3,29 $. Vielleicht scheuen das die preissensiblen Verlage und Händler?

Mit der Kindle-App und dem deutschsprachigen Angebot von txtr wird sich nun zeigen, ob es eine veritable Nachfrage nach E-Books für das Android gibt und die Nutzer bereit sind, zu zahlen – ich habe jedenfalls schon zwei E-Books gekauft.

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