Die Genre-Mischformen werden immer populärer

Science Fiction ist gerade auch in Krisenzeiten ein beliebtes Genre. Ein Großteil der Bücher sind Lizenzen aus dem angelsächsischen Bereich. Ein Interview mit Heynes Science-Fiction-Fachmann Sascha Mamczak (Foto).

Wie entwickelt sich das Science-Fiction-Genre im Auf und Ab des Buchmarktes – krisenresistent?
Das kann man durchaus sagen, ja. Um die Jahrtausendwende war das Interesse an Science Fiction deutlich reduziert, ja fast gar nicht mehr vorhanden. Viele junge Leser haben sich damals der Fantasy zugewandt, und zahlreiche Stammleser konnten mit neueren Science-Fiction-Texten nichts mehr anfangen. Diese Texte waren einfach völlig überladen mit Technik und Insider-An­spielungen, bis hin zur Unlesbarkeit. So ist die Science Fiction, wie so oft, in den Weltraum ausgewichen, und in diesem Bereich sind in den letzten Jahren Romane entstanden, die wieder gut verkäuflich sind, man denke etwa an die Bücher von Iain Banks, Alastair Reynolds oder John Scalzi. In „Krisenzeiten“ wie unseren hat die Science Fiction – wie die fantastische Literatur generell – den Vorteil, dass sie die Leser ein Stück weit aus der Malaise der Gegenwart hinaustransportiert. Dabei muss der Stoff gar nicht mal positiv sein: „Limit“ von Frank Schätzing etwa extrapoliert in bester Science-Fiction-Manier aktuelle und äußerst bedroh­liche Trends – und die Leser sind trotzdem begeistert.

Die meisten Science-Fiction-Beiträge kommen aus dem Ausland. Warum sind Übersetzungen in diesem Segment so wichtig?
An die 80% der Titel sind Übersetzungen aus dem angelsächsischen Raum. Dort gibt es nämlich einen lebendigen Science-Fiction-Markt, der es den Autoren auch in einer Flaute ermöglicht, vom Schreiben leben zu können. So entsteht viel qualitativ Hochwertiges. In Deutschland haben wir diesen etablierten Science-Fiction-Markt nicht. Es gibt zwar viele Autoren, die auch Science Fiction schreiben oder gerne mehr schreiben würden, doch für diese Autoren fehlen die Verdienstmöglichkeiten.

Welche Trends machen Sie im Science-Fiction-Bereich aus?
Der wichtigste aktuelle Trend ist die Vermischung der Science Fiction mit anderen Genres. Man kann das wunderbar an Dmitry Glukhovskys Erfolgsroman „Metro 2033“ erkennen. Das Buch spielt nach einem Nuklearkrieg in den Tiefen der Moskauer Untergrundbahn, wo sich die Überlebenden eine neue Zivilisation er­schaffen haben. Vom Setting her ist das eindeutig Science Fiction. Die Handlung jedoch hat eine questenartige Struktur, wie sie in Fantasy-Romanen fast schon konstituierend ist, und ist zudem angereichert mit etlichen Horrorelementen. Diese Genre-Mischformen werden immer populärer. Ich begrüße das sehr. Nicht jeder Text muss so angelegt sein, dass ein Verlagsmensch ihm gleich einen Stempel aufdrücken kann.

Ist Science Fiction leicht ins E-Book zu transformieren?
Die Science-Fiction-Leser sind dem E-Book gegenüber bestimmt sehr aufgeschlossen, das liegt wohl auch in ihrer Natur. Gegen eine übermäßig schnelle Transformation ins E-Book – neben den grundsätzlichen Aspekten, die ja landauf, landab heftig diskutiert werden – spricht allerdings, dass die SF-Romane oft recht lang sind und dass Serien hier eine große Rolle spielen. Viele Leser sind Sammler und wollen sich die Bücher ins Regal stellen. Insgesamt denke ich, dass sich die Marktanteile zwischen Print und E-Book in den kommenden Jahren gesund verteilen werden.

Zur Person: Sascha Mamczak

wurde 1970 in München geboren. Er hat in seiner Ge­burtsstadt und Edinburgh Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Öffentliches Recht studiert. Nach seinem Stu-dium war er als freier Journalist tätig, schrieb zunächst Film- und Buchrezensionen und betreute später den gesamten redaktionellen Ablauf des von 1986 bis 1998 existierenden Magazins „science fiction media“. 1998 wurde Mamczak Lektor im Wilhelm Heyne Verlag. Seit 2002 ist er bei der Random House-Tochter Herausgeber des Science-Fiction-, Fantasy- und Mystery-Programms und bringt das Jahrbuch „Das Science-Fiction-Jahr“ auf den Markt.

Die Fragen stellte Ingo Schiweck.

Das komplette Interview ist im neuen buchreport.magazin Juni 2010 nachzulesen. Hier ist das Heft bestellbar

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