Prestige-Projekt in der Identitätskrise

Libreka, das Prestige-Projekt der Börsenvereins-Wirtschaftstochter MVB, steckt in einer Identitätskrise und einem Strategiedilemma. Das wurde auf den Buchtagen des Verbands in Berlin deutlich: Die Verleger zeigten sich auf ihrer Gruppensitzung irritiert von den neuen Optionen, die MVB-Geschäftsführer Ronald Schild (Foto) präsentierte.

  • Plan A ist, dass Libreka im Konzert der großen E-Book-Plattformen mitmischt und wie Apple, Google und Amazon offensiv um die Endkunden wirbt. Die besondere Herausforderung besteht Schild zufolge darin, dass die wenigsten Endkunden Libreka kennen und damit eine große Werbekampgane im Wert eines zweistelligen Mio-Betrags nötig sei. Die kann die MVB nicht stemmen. Schild entwickelte deshalb in Berlin die Idee einer konzertierten Kampagne, bei der die Verlage in ihrer Werbung für Novitäten für die E-Book-Ausgabe bei Libreka werben und auch auf und in den gedruckten Büchern selbst: Beim Kauf eines Printbuches würde diesem Plan nach der Endkunde einen befristeten Zugang zur E-Version mit erwerben. Dass Online-Händler Amazon und die Ketten, die gerade ihre Online-Shops (einschließlich E-Book-Angebot) die Libreka-Werbung transportieren, hält selbst Schild für nicht wahrscheinlich.
  • Der (von Schild favorisierte) Plan B lautet, dass Libreka im Verlagsauftrag die Geschäfte mit den großen E-Book-Plattformen betreibt, mit einem breiten E-Book-Angebot vieler Verlage womöglich die Verhandlungsposition verbessert. Schild berichtete Details von ersten Gesprächen mit Apple. Voraussetzung wäre, dass viele Verlage ihre Titel nicht nur bei Libreka einstellen, sondern Libreka auch mit einem entsprechenden Mandat ausstatten.

Sollte Schild die Erwartung gehabt haben, die Fachgruppenversammlung der Verlage würde ihn in einer Richtung bestärken, hat sich diese nicht erfüllt. Im Gegenteil wurden in Wortmeldungen erhebliche Irritationen über die Entwicklung von Libreka deutlich, das das als Volltextsuche gestartet vor einer erneuten Häutung steht.

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