Umwandlung von Print reicht nicht

Reiseinformation hat jetzt Konjunktur. Die Nachfrage nach gedruckten Reiseführern ist ungebrochen. „Noch“, sagt Internetunternehmer Uwe Frers, der Reiseinfos online und für Mobilfunk-Applikationen anbietet, im buchreport-Interview.

Wohin bewegt sich die Reiseinformation?

In der ersten Phase der Internet-Revolution wurde das Web zum Massenmedium, in der aktuellen zweiten Phase verlieren die klassischen Medien und damit auch die Buchverlage die Informationshoheit. Besonders erfolgreiche touristische Angebote im Netz sind durchweg keine Verlagsangebote, sondern das Stichwort heißt Web2.0: Mittlerweile bucht mehr als ein Viertel der Reisenden nur Ziele, über die sie user generated content finden.

Der Buchhandel registriert bei insgesamt schwacher Konjunktur durchaus ordentliche Reiseführer-Umsätze – ein Widerspruch?

Nein, es beschreibt die aktuelle Situation, aber eben nicht den langfristigen Trend. In der Urlaubsplanung dominiert bereits das Internet, in der Urlaubsdurchführung dagegen derzeit noch eindeutig das Buch, aber dies auch nur, weil es noch keine internationalen UMTS-Flatrates gibt und die Nutzung von Mobilfunkgeräten im Ausland deshalb sehr teuer ist.

Könnte es nicht sein, dass gerade im Urlaub auch im wörtlichen Sinne abgeschaltet wird?

Die Nutzer wissen schon zwischen Dauerberieselung und dem Charme zu unterscheiden, spontan eine Antwort zu bekommen. Man muss aber auch differenzieren:  Wenn es um nachhaltige Information geht, um kulturelle Information und Hintergrund zum Reiseland, bleibt das Buch unschlagbar, auch für anspruchsvolle Bilder ist es ein perfektes Medium. Aber bei der ergänzenden und vor allem schnellen Information kommt das Netz voll zum Tragen. Ich kann per Geo-Codierung alle relevanten Informationen an meinem aktuellen Standort abfragen, ob Sehenswürdigkeit oder Restauranttipp.

Daran arbeiten die Verlage seit Jahren …

Redaktionell sind die Verlage hervorragend aufgestellt, aber nicht technologisch: Gefordert ist die Geo-Codierung und eine sehr detaillierte Kategorisierung der Informationen. Die Verlage müssten sehr stark investieren, um das alles zu programmieren, und es bedeutet mehr, als bestehende Print-Inhalte in eine iPhone-App umzuwandeln. Die zweite Herausforderung ist, sich die Vertriebskanäle für Bezahlinhalte zu sichern mit ihren mächtigen Gatekeepern. Ob sich Amazon bei der Reiseinformation durchsetzt, mag man vielleicht bezweifeln, aber Apples Marktmacht ist offensichtlich…

Der Buchhandel bleibt ganz außen vor?

Ich fürchte ja, denn der Vertrieb findet direkt zwischen Anbieter und Nutzer oder über Plattformen statt, die diese digitalen Inhalte vermarkten.

(Die Fragen stellte Thomas Wilking)

Uwe Frers
ist seit 13 Jahren im Internetgeschäft und gründete 2006 den auf nutzergenerierten Informationen basierenden Online-Reiseführer TripByTips, an dem seit 2007 auch Burda Digital Ventures beteiligt ist. Nach siebenstelligen Anlaufverlusten soll tripsbytips.de ab 2011 schwarze Zahlen schreiben mit Inhalte-Lizenzierung und Werbung als wichtigste Einnahmequellen. Die Touristikverlage haben Frers zu ihrer Tagung „Social Media, Apps & Co. versus Buch“ eingeladen, die von Anfang Juni in den Herbst verschoben wurde.

aus buchreport.express 22/2010

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