Postskriptum: Mamanoeinfeddichhier!

Das Behördendeutsch gilt als größter Produzent von Wortungetümen. Zweifel an dieser gängigen Einschätzung nährt allerdings die Lektüre des goldigen neuen Langenscheidt-Büchleins „Bairisch für Anfänger“: Darin findet sich zum Beispiel unter dem Eintrag „Schdammdisch“ (Stammtisch) die Vokabel „Dohoggandedewooiweidohoggan“ (Da sitzen die, die immer da sitzen). Und wir erinnern uns, dass der Bochumer Autor Frank Goosen (Foto) einmal in einem Stichwort-Interview für buchreport. magazin erklärte, der seriöse Biertrinker im Ruhrgebiet ordere sein Pils: „Mamanoeinfeddichhier!“ Da ersichtlich das Betrunkenen- dem Behördendeutsch in der Schöpfung von Bandwurmwörtern in nichts nachsteht, werden Sprachschützer sicher bald eine konsequente Entbierokratisierung fordern.   

Tablet: Tückisch

Die Tücken der Markenbildung hat das Berliner Unternehmen Neofonie jetzt kennengelernt: Es hatte eigentlich vor, einen Tablet-Computer namens WePad auf den Markt zu bringen. Am vergangenen Freitag änderte die Computerschmiede den Namen überraschend in WeTab. Beobachter vermuten, dass auf diese Weise ein Markenrechtsstreit mit dem streitlustigen Computerkonzern Apple wegen der Namensähnlichkeit mit dessen neuem Spielzeug iPad vermieden werden soll. Im Internet erntet das Unternehmen für die Umbenennung allerdings nur Hohn und Spott. So dachten Facebook-Nutzer sich spontan neue Namen wie „VerBockt“, „WeFail“ und „WeLove“ aus. Wie man sieht, ist die Einführung einer Marke im Internetzeitalter eine WeSsenschaft für sich.  

Krekeler: Kritisch

In der „Literarischen Welt“ lässt deren Chef Elmar Krekeler eine lesenswerte Tirade darüber vom Stapel, was von Verlagen alles „zwischen zwei Buchdeckel gepackt wird“. So schimpft Krekeler: „Gegenwärtig wird man den Verdacht nicht los, es werde mehr Papier für Väterbücher verbraucht als Zellulose für Windeln.“ Fragt sich nur, was daran verwerflich sein soll, wenn es inhaltlich letzten Endes auf dasselbe rauskommt. 

Prämie: Praktisch

Apropos Tirade: In der Obdachlosenzeitung „Bodo“ wettert Kabarettist Martin Kaysh über die „Herdprämie“, die Eltern bekommen sollen, wenn sie ihre Kinder nicht in den Kindergarten schicken: „Zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt die Prämie, würde der Zyniker sagen: Erstens ist mehr Geld zum Saufen im Haus, und zweitens jemand, der zur Bude rennt, während Papa RTL guckt oder die Onlinepornosammlung pflegt.“ Da wir keine Zyniker sind, halten wir dagegen: Durch die Prämie wäre erstens mehr Geld für Bücher im Haus und zweitens jemand, der zur Buchhandlung rennt, während Papa „Aspekte“ guckt oder bei Libreka surft. 

aus buchreport.express 19/2010

Außerdem in Emil Echos Echoblog:

Griechisch-Vokabel der Woche: λατρεία (latreia)

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