Kein Amen am Millionengrab?

 

Hat der Börsenverein in einem einmaligen Kraftakt einen zweistelligen
Millionenbetrag für ein Instrument mit schwindender Systemrelevanz verpulvert? Nicht nur bei besorgten Funktionären wirft die Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft (BAG) derzeit erneut kritische Fragen auf. Die vom Verband aus politischen Gründen vor der Insolvenz gerettete BAG, heute bei der Börsenvereins-Wirtschaftstochter MVB angesiedelt, ist offenbar weit davon entfernt, wirtschaftlich auf einem stabilen Fundament zu stehen.

Das Gespenst der mangelnden Systemrelevanz

„Die BAG verzeichnet nach wie vor einen Rückgang des Abrechnungsvolumens“, muss MVB-Chef Ronald Schild (Fotomontage) im Gespräch mit buchreport einräumen. Die aktuellen Wirtschaftszahlen behält er bis zur offiziellen Vorlage des Geschäftsberichts auf den Buchtagen in Berlin (10. und 11. Juni) in der Schublade.

Vor dem Branchenparlament im November letzten Jahres wurde aber bereits angedeutet, dass die BAG das Geschäftsjahr 2009 selbst in dem nach der Sanierung verbliebenen „gesunden“ Teil allenfalls mit einer „schwarzroten Null“ abschließen wird. Die Folge: Fassungslosigkeit bei Funktionären und an der Basis, verbunden mit einer klaren Vorgabe. Eine weitere Subventionierung  durch den Verband dürfe es auf keinen Fall geben.

MVB-Chef Schild, auch wegen der Dauerbaustelle Libreka unter hohem Erfolgsdruck, will die BAG mit einer deutlichen Ausweitung des Dienstleistungsspektrums unter Einbeziehung externer Partner breiter und damit wirtschaftlich sicherer aufstellen. „Abrechnung allein kann es nicht sein“, betont er im Gespräch mit buchreport. Dabei rückt vor allem die Buchhändlerische Kredit Garantiegemeinschaft (BKG) in den Blick. Das Service-Unternehmen der BAG vermittelt und verbürgt Buchhändlern und Verlagen im Rahmen des Abrechnungsverfahrens über die BAG befristete Darlehen zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen.

Ausstiegsszenarien auf der Agenda?

Auf der Hauptversammlung des Börsenvereins während der Buchtage in Berlin wird die MVB zu den wirtschaftlichen Perspektiven der BAG Stellung beziehen müssen. Für heiße Debatten könnten dann auch wieder mögliche Ausstiegsszenarien sorgen. Sie wurden im Branchenparlament bereits nicht ausgeschlossen.

Für den unter latentem Mitgliederschwund leidenden Börsenverein wäre eine Trennung von der BAG allerdings mit einem ziemlichen Risiko verbunden. Nicht wenige Börsenvereins-Mitgliedschaften, vor allem im Sortiment, gründen sich allein aus dem Nutzen des BAG-Abrechnungssystems, denn: Wer am BAG-Verfahren teilnehmen will, muss Mitglied im Börsenverein sein.

Diese Bindung war ein Hauptmotiv, um tief in die Rücklagen der Börsenvereinsgruppe zu greifen und die BAG zu sanieren. Planspiele mit einer möglichen Aufhebung dieses Junktims sorgten deshalb in der Vergangenheit im Verband immer für starke Magenschmerzen. Bei einer Aufhebung des Junktims rechnet der Börsenverein „mit Austritten im vierstelligen Bereich“.

Umstrittene Klage gegen Ex-Chefs

Für Unruhe sorgt am Hirschgraben auch die Diskussion über die Klage gegen zwei Ex-Geschäftsführer der BAG – im Falle einer Niederlage vor dem Oberlandesgericht Frankfurt drohen der MVB fünf- bis sechsstellige Belastungen (buchreport berichtete am Donnerstag). In einer Stellungnahme betont die MVB, dass Aufsichtsrat und Geschäftsführung Pflichtverstößen nachgehen müssten, sonst machten sie sich haftbar. Die Entscheidung, nach der erstinstanzlichen Ablehnung der Klage in die Berufung zu gehen, sei nach anwaltlicher Beratung getroffen worden, der Weg werde als erfolgversprechend gewertet. „Wer die Kosten trägt, hängt vom Ausgang des Verfahrens ab. Auf keinen Fall sind davon Mitgliederbeiträge des Börsenvereins betroffen.“

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