Formate für junge Autoren

Müssen Autorenlesungen aufwändiger inszeniert werden? Darüber diskutieren auf buchreport.de Literatur-Prof. Stephan Porombka (hier) und der Hamburger Literaturhaus-Chef Rainer Moritz (hier). Nach Benedikt Geulen (hier) meldet sich jetzt der Literaturveranstalter Jan Böttcher (Foto) zu Wort.

Herr Moritz hat ein Interesse daran, dass die Debatte weitergeht. Anders ist die Provokation „So leicht lassen wir uns unseren alten Literaturbegriff nicht nehmen“ nicht zu verstehen. Vielleicht sagt der Satz aber auch mehr über den Verfasser, als ihm lieb ist.

Als Autor und langjähriger Literaturveranstalter von Lesereihen und u.a. des LAN-Festivals in Berlin möchte ich raten, eine zugegeben etwas unscharfe Trennlinie einzuziehen. Die Lebensrealität wie auch die Schreibpoetiken der jungen, nachstrebenden Generation sind grundsätzlich zu unterscheiden von meiner Generation (Jg. 1973) oder von Uwe Tellkamp.

Wer als Veranstalter an literarischem Nachwuchs, also den heute 20-25jährigen AutorInnen überhaupt noch interessiert ist, hat auch deren Sozialisation anzuerkennen – und kann nicht mehr davon absehen, dass Popmusik, Film und digitale Kommunikation längst eine ganz entscheidende Rolle auch innerhalb der Texte spielen. Wir haben es hier nicht allein mit Fragen der Kunst, sondern mit dem Leben selbst zu tun, das in die Kunst drängt bzw. drängen wird. Das Bild einer in Alltag und Stadtverkehr mit iPod und Ohrstöpseln verkabelten und vernetzten Jugend findet sein Abbild in der Literatur. Romane, wenn wir sie in bald überhaupt noch so nennen, werden zu nervösen Geflechten, der Erzähler zum Informationsknoten.

Geht es also um diese jungen AutorInnen und die Zukunft der Literatur, so ist es nachgerade unsere Pflicht, darüber nachzudenken, ob es moderne Präsentationsformate gibt, welche den gegenwärtigen und kommenden Textsorten entsprechen. Sie können ihnen natürlich auch diametral entgegenstehen, nichts spricht grundsätzlich gegen das Wasserglas. Was nicht geht – und das ist eine Haltung, die ich schon in der Hegemann-Kritik äußerst bedauerlich fand: die Lebensrealität junger Literaten schlichtweg zu ignorieren. So leicht lässt sich der alte Literaturbegriff nicht halten.

Jan Böttcher ist Literaturveranstalter und Schriftsteller in Berlin.

Kommentare

1 Kommentar zu "Formate für junge Autoren"

  1. pointiert gepunktet!

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