Ratgebermarkt leidet unter Burn-out

Die Ratgeberverlage diskutieren über die wachsende Bedeutung des Internet. Unternehmensberater Andreas Meyer (Foto) fordert dagegen, Mehrwert und Zielgruppen zu akzentuieren.

Der Ratgebermarkt schrumpft, wo sehen Sie Entwicklungspotenziale?
Insgesamt schrumpft er, aber nicht in allen Teilmärkten. Wobei das Schrumpfen des Ratgebermarktes offenbar wie ein Naturgesetz gesehen wird. Dem widerspreche ich heftigst: Medienmärkte sind vor allem angebotsgetrieben. Den Marktführern ging es in den letzten Jahren deshalb nicht schlecht, 2009 sogar richtig gut. Trotzdem scheint der Ratgebermarkt von einer Art  Burn-out-Syndrom betroffen: Der Markt wird überflutet von Me-too- und „Mehr vom Gleichen“-Produkten. Dabei wird nicht gesehen, welche neuen Potenziale sich bieten: Es gibt nachwachsende Zielgruppen, es gibt vernachlässigte ältere Zielgruppen, aber es gibt auch uralte und ungelöste Probleme des Ratgebermarktes.

Und die wären?
Im Schaufenster der Azubi-Buchhandlung des Mediacampus hing ein rotes Plakat zum Thema: „Ratschläge, die nicht weh tun.“ Das bringt es unfreiwillig auf den Punkt: Das Wort Ratgeber stammt noch aus einer Zeit, als Pflicht und Gehorsam zu den Leitwerten der Gesellschaft gehörten. Und heute? Geht es noch um Belehrung, um Gebrauchsanleitung? Wohl kaum. Ziel sollte sein, auf Augenhöhe mit der jeweiligen Zielgruppe zu kommunizieren. Gewünscht wird von Lesern ein jeweils spezifischer und unverwechselbarer Mehrwert, heute eher in Richtung Inspiration als in Richtung „nützlich“.

Stehen die Ratgeberverlage am Scheideweg: Print oder Digital?
Diese Fragestellung ist inzwischen uralt, wahrscheinlich wird sie so seit etwa 20 Jahren diskutiert. Ich halte sie für grundverkehrt. Andere Medienmärkte zeigen längst, es geht nicht um „Ja“ oder „Nein“. Der Kunde wird das in seinen Augen jeweils bessere, überlegene Produkt kaufen.

Graben sich die Verlage nicht selbst das Wasser ab, wenn sie bei kostenlosen Webportalen wie gutefrage.net mitmachen?
Nein, im Gegenteil. Bei Portalen dieser Art geht es um Leistungen, die Print-Verlage mit ihren Produkten so nicht bieten: Unter anderem eine Chance für die Präsentation eigenen Know-hows sowie eigener Leistungen vom fertigen Kuchen bis zum Ölgemälde. Hier geht es um Austausch und Anerkennung. Der Ratgebermarkt kennt aber noch andere Content-Bedürfnisse: Kontinuierliche Vertiefung, leidenschaft­liche Verbesserung, Zusammenhänge verstehen etc. Nur wenn der Mehrwert einzigartig ist, wird man dafür Geld bekommen. Und ob dann für ein Buch oder ein E-Book – ist das nicht egal?
Die Fragen stellte Nicole Stöcker

Zur Person: Andreas Meyer

ist Gründer der Münchner Unternehmensberatung Verlagsconsult Dr. Andreas Meyer & Partner. Im Bereich Strategie und Markenführung betreut er zusammen mit seinen Partnerinnen Cordula Schlichtig und Jutta Hamberger neben Buch- auch namhafte Zeitschriftenverlage. Auf der diesjährigen Tagung des Arbeitskreises Ratgeberverlage hat Meyer einen Vortrag mit der Fragestellung „Ratgeber – leidet ein Markt unter Burn-out?“ gehalten.

Kommentare

1 Kommentar zu "Ratgebermarkt leidet unter Burn-out"

  1. Eine neue Art der Ratgeberseite ist zum Beispiel auch Konisto (http://www.konisto.de). Hier kann jeder User Anleitungen schreiben und Ratschläge abgeben. Das interessante ist, dass die Autoren einen Teil der Werbeeinnahmen erhalten.

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