Marklund sagt Förlåt

Eine drastische Aussage der schwedischen Krimi-Autorin Liza Marklund zur Buchpreisbindung verärgerte in den vergangenen Tagen deutsche Buchhändler. Jetzt entschuldigt Marklund sich in einer von Ullstein verbreiteten Erklärung für ihre „ungeschickte Formulierung“.

In der „FAZ“ hatte Hannes Hintermeier die Schriftstellerin zitiert: „Bücher soll es einfach überall zu kaufen geben. Der kleine Buchhändler interessiert mich null. Soll er verschwinden – wen kümmert das?“ Es sei doch eine Fehlinterpretation, dass Bestseller der guten Literatur Leser wegnähmen. „Es ist genau umgekehrt: Ohne Bestseller geht doch keiner in einen Buchladen.“ (hier der ganze Artikel).

Bei deutschen Buchhändlern kam das – oh Wunder – nicht gut an. Per E-Mail kursiert sogar ein Boykott-Aufruff gegen das gerade in Deutschland erschienene Buch „Letzter Gruß“ (Limes), das Marklund zusammen mit dem amerikanischen Thriller-Spezialisten James Patterson geschrieben hat.

Um größeren Schaden zu vermeiden, verbreitet der Ullstein Verlag jetzt eine Erklärung, in der die schwedische Krimiautorin „Förlåt“(„Entschuldigung“) sagt für ihre „ungeschickte Formulierung“. Die Erklärung im Wortlaut:

„Meine deutsche Verlegerin Siv Bublitz von Ullstein hat mir erzählt, dass Zitate von mir in der FAZ einige Buchhändler verärgert haben. Als sie mir die Sätze übersetzte, wurde mir klar, dass ich mich höchst ungeschickt ausgedrückt habe. Das Zitat wurde aus dem Zusammenhang eines Gesprächs herausgelöst, und so wie es sich jetzt anhört, habe ich es gewiss nicht gemeint. Gerade im deutschsprachigen Raum habe ich sehr gute Erfahrungen mit den Buchhändlern gemacht; es liegt mir fern, sie durch missverständliche Äußerungen vor den Kopf zu stoßen. In den letzten zehn Jahren war ich zu über hundert Lesungen und Signierstunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es waren tolle Veranstaltungen, aber den deutschen Buchmarkt kenne ich natürlich längst nicht so gut wie den schwedischen oder den amerikanischen. Siv hat mir noch einmal genau erklärt, welche Rolle die kleineren und mittleren Sortimenter in Deutschland spielen, dass sie ihre Kunden oft persönlich kennen, Bücher aktiv empfehlen und viel zum Erfolg eines Titels beitragen. Offensichtlich gibt es im deutschsprachigen Raum eine andere Buchhandelskultur als in vielen anderen Ländern. Das ist sicher ein Grund, warum der deutschsprachige Buchmarkt im internationalen Vergleich sehr stark ist. In diesem Zusammenhang ergibt auch die Ladenpreisbindung einen anderen Sinn.

Mir ist klar, dass der Erfolg meiner Bücher in Deutschland in hohem Maß dem persönlichen Engagement einzelner Buchhändler zu verdanken ist, die meine Romane mögen und empfehlen. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich durch meine ungeschickte Formulierung Menschen gekränkt habe, die sich für gute Bücher einsetzen. Das ist nicht meine Absicht. Im Gegenteil: Ich finde es großartig, dass der Buchhandel in den deutschsprachigen Ländern so eine hohe Qualität hat. Und ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Buchhändlern herzlich zu bedanken, die sich für meine Bücher stark gemacht haben. Viele von ihnen habe ich schon persönlich kennengelernt, und ich freue mich auf neue Begegnungen bei meiner nächsten Lesereise im kommenden Jahr.“

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