Postskriptum: Wenn Westerwelle wild wird

Freunde und Gegner staunen über den Temperamentsausbruch von Bundesaußenminister Guido Westerwelle, er fühle sich durch die Leistungen für Hartz-IV-Empfänger an „spätrömische Dekadenz“ erinnert. Ein bemerkenswerter historischer Vergleich, wenn man bedenkt, dass für die Spätphase des Römischen Reiches unter anderem eine durch und durch korrupte politische Elite kennzeichnend war. Vielleicht erklärt sich die wahre Absicht hinter Westerwelles Ausbruch aber auch, wenn man an seinen denkwürdigen ersten Auftritt als designierter Außenminister erinnert, und er will uns sagen: „Ich weiß selber, dass es mit meinem Englisch nicht weit her ist! Warum stellt mir nicht endlich jemand eine Frage auf Latein?“ (mehr…)   

Verlag: Verärgert

Der Verlag Henselowsky & Boschmann ist sauer auf mich. Grund: Vor vier Wochen schien Verleger Werner Boschmann in der „Bild“-Rubrik „Darüber lacht …“ u.a. mit folgendem Witz auf: „Fragt der Patient: ,Herr Doktor, kann man mit Durchfall baden?‘ – ,Klar! Wenn Sie die Wanne vollkriegen.‘“ – worüber ich mich lustig machte. Jetzt wird mir ausgerichtet, solche Witze habe Boschmann nie erzählt, sie seien ihm von der „Bild“-Zeitung untergeschoben worden. Wenn das so ist, entschuldige ich mich natürlich. Und frage mich spontan: Wenn eine Zeitung einen Witz unterschiebt, ist das dann ein „Kuckuckswitz“ oder ein „Entenwitz“? 

„Bild“: Beobachtet

Apropos „Bild“: Untergeschoben oder nicht, als besonderen Service für unsere Leser übernehme ich weiterhin die undankbare Aufgabe, die Rubrik „Darüber lacht …“ zu sichten und mitzuteilen, wenn ein passabler Witz dabei ist. Was nicht oft vorkommt. Jetzt aber war es so weit, denn (angeblich) lachen die hr3-Moderatoren Mirko Förster, Martina Regel und Jens Schulenburg über: „Lukas Podolski steht im Himmel vor Petrus. Fragt der erstaunt: ,Sie hier? Wie haben Sie denn das Tor gefunden?‘„ Und: „Kommt ein Schornsteinfeger in die Kneipe, sagt der Wirt: ,Der geht aufs Haus‘.“

Memoiren: Mächtig

Ein problematisches Denken offenbart Stefan Klein in einem Porträt Nelson Mandelas in der Wochenendausgabe der „Süddeutschen Zeitung“. Als er den südafrikanischen Politiker Chief Buthelezi besuchte, schenkte Mandelas ehemaliger Widersacher ihm ein Exemplar seiner Autobiografie. Klein schreibt dazu: „Sie ist viel schwerer als die von Mandela. Aber das ist auch schon das einzige Sakrileg, das er sich noch leistet.“ Wie jetzt? Müssen die wichtigsten Politiker auch die dicksten Memoiren haben? Wenn dieses Denken Schule macht, werden Buchhändler zum Befüllen der Regale in der Abteilung Politisches Sachbuch irgendwann Gabelstapler anschaffen müssen.

aus buchreport.express 7/2009

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