Mehr Fehler bei Amazon und VlB

Um das Ärgernis falscher Buchpreise in Online-Shops und die mögliche Abhilfe wird weiter heftig gestritten. Wie berichtet hatte der Brunsbütteler Buchhändler Dietrich Wienecke vor einem Landgericht ein Urtreil erstritten, dass dem größten Online-Buchhändler Amazon Amazon unter Androhung eines Ordnungsgeldes untersagt, weiterhin Bücher zu Preisen zu verkaufen, die niedriger sind als die gebundenen Ladenpreise.

Während ein (gescheiterter) Vergleich vorsah, die wichtigsten Titel durch Abgleich von Amazon mit den Daten der Großhändler Libri und KNV auf Barsortimentsniveau zu heben, forciert der Börsenverein einen Abgleich mit dem Verzeichnis lieferbarer Bücher(VlB). Das war kritisiert worden, weil das VLB selbst als sehr fehleranfällig gilt. Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang hatte darauf in einem Interview mit der Verbandszeitschrift „Börsenblatt“ erklärt, die Fehlerhäufigkeit des VLB bei barsortimentsgängigen Titeln betrage nur etwa 0,4%“.

Darauf hat jetzt der EDV-Experte (und Generalbevollmächtigte der Buchhändlergenossenschaft eBuch) Lorenz Borsche eine neue Rechnung vorgelegt:

10x mehr Abweichungen bei Amazon und VlB

Die von Dr. Sprang gerne für alle Datenbanken, also auch die der Barsortimente, angebebenen Fehlerquoten von 0,6% kann ich nicht bestätigen. Damit sich jeder selbst ein Bild machen kann, habe ich ein PDF online gestellt.

Von einer normalen Sortimentbuchhandlung mit 575.000 Euro Jahresumsatz mit Büchern habe ich die Top5000 aus dem 4. Quartal 2009 am 23.1.2010 über den Radar laufen lassen. Es gab insgesamt 109 Differenzen über alle 4 Datenbanken.

Die Abweichungen wurden farblich markiert: wenn 2 oder 3 Anbieter gegen eine anderen übereinstimmten: grün, der abweichende rot. Bei ausgeglichenen Differenzen (2:2 oder 1:1) je eine Partei blau, die andere gelb.

Jeweils 2 Fälle (zufällig jeweils der erste auf der Seite) wurden beispielhaft aus der Tabelle gegen den Verlagswebsite geprüft. In beiden Fällen war der rot markierte Titel auch tatsächlich falsch. Die resp. Bildschirmfotos wurden in das PDF eingefügt. Nur diese beiden ISBNs sind offen sichbar, alle anderen wurden, um die Gefahr von Abmahnungen nicht zu provozieren, verpixelt.

Das Ergebnis: 35% ‚rot‘ bei amazon, 28% beim VLB, 1% bei Libri und (ausnahmsweise) 3% bei KNV (ganze zwei Fälle).

Fälle, in denen die beiden Barsortimente übereinstimmend einen, das VLB und amazon übereinstimmend einen anderen Preis zeigten, worden dort, wo es möglich war, schnell per Verlagswebsite geprüft. Das ist in 10 Fällen gelungen, jedesmal war der Preis bei den Barsortimenten richtig, siehe hier.

Ergebnis: Mindestens Faktor 10x mehr Abweichungen bei amazon und VLB, hochgerechnet 1 Promille bei den BS, mehr als 1% beim VLB.

Genau aus diesem Grund hat Wienecke zu recht den Abgleich mit den Barsortimentsdatenbanken gefordert – zumal mit den Titeln dieser beiden Datenbanken mehr als 95% des Umsatzes im Buchhandel gemacht werden.“

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