Postskriptum: Beklagtes Berlin

Die neue Heimat des Suhrkamp Verlags hat zurzeit keine gute Presse. „Wie Ohrfeigen wirken die Schlagzeilen, die meine Stadt in diesen Tagen wieder macht“, klagt „BamS“-Kolumnist Peter Hahne. „Die Zeitungen titeln von ,Armenhaus Berlin‘ über ,Armutshauptstadt‘ bis ,Arme Hauptstadt‘. (…) Die Armut dieser hochverschuldeten Metropole ist alles andere als sexy.“ Ach, grämen Sie sich nicht Herr Hahne! Machen Sie es lieber wie Ihre neue Mitbürgerin Ulla Unseld-Berkéwicz (Foto): Nicht „Armenhaus“, sondern „Zukunftslabor“ nennt man so was!

Alarm: Ausgelöst

Wahr ist, dass vergangene Woche am Vortag des Treffens der AG Publikumsverlage in München ein Unbekannter für Terroralarm am Münchner Flughafen sorgte: Obwohl sein Laptop bei der Sicherheitskontrolle als Risiko eingestuft wurde, war er einfach davongegangen. Nur ein Gerücht ist aber, dass die anschließenden Störungen des Flughafenbetriebs hauptsächlich von Verlegern verursacht wurden, die auf der Suche nach dem Mann durch den Airport irrten, weil sie die Rechte an seiner Geschichte kaufen wollten.  

Autor: Akkurat

Im „BamS“-Interview berichtet Ken Follett, dass er sich morgens immer um zehn nach sieben an den Schreibtisch setzt und Punkt 17 Uhr den Griffel fallen lässt, „auch wenn ich gerade mitten in einer Szene bin“. Darüber mokiert sich die „SZ“: „Damit zeigt er sich seinen Lesern so, wie man einen Schriftsteller nun gerade nicht sehen will, als akkuraten Schreibtischbeamten mit festen Bürozeiten.“ Die Kollegen haben das Interview wohl nicht bis zum Ende gelesen. Da sagt Follett: „Ich finde Deutsch sehr sexy und romantisch, denn als ich 25 Jahre alt war, war ich mal in eine Deutsche verliebt.“ Wer so charmante Sachen über unsere Sprache sagt, dem verzeihen wir selbst den akkuratesten Arbeitsrhythmus.

Theater: Taumelnd

Bei einer Aufführung des Stückes „Reise nach Petuschki“ von Benedikt Jerofejew in Frankfurt haben sich einige Darsteller derart betrunken, dass einer von der Bühne fiel und ein anderer ins Krankenhaus gebracht wurde. „Ich habe allen klargemacht, dass ich so etwas nicht mehr sehen will“, meinte Intendant Oliver Reese dazu verschnupft. Dabei erinnert der Vorfall aufs Amüsanteste an Erich Kästners Ballade vom Toggenburger Mimen Gustav Renner („Alle lobten ihn, sogar die Kenner. / Und die Damen fanden ihn sogar noch schlank. / Schade war nur, dass sich Gustav Renner, / wenn er Geld besaß, enorm betrank.“), der alkoholisiert Hamlets Geist neu interpretiert. Bleibt nur zu hoffen, dass auch die letzten Zeilen von Kästners Ballade auf den Frankfurter Fall zutrafen: „Und die meisten Toggenburger fanden: / Endlich hätten sie das Stück verstanden.“  

aus buchreport.express 4/2010

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