Postskriptum: Innovatives Island

Der Verlag List wirbt für den Kriminalroman „Das Schiff“ von Stefán Máni mit dem auffälligen roten Aufkleber: „Bester isländischer Krimi 2009“ (Foto). Wenn man sich im Angesicht dieses schicken Marketingmittels vergegenwärtigt, dass die Insel im Nordmeer gerade mal 320000 Einwohner zählt, fragt man sich: Warum sieht man eigentlich so gut wie nie Werbeaufkleber wie „Bester Mannheimer Krimi 2009“ (310000 Einwohner) oder „Bester Wuppertaler Krimi 2009“ (356000 Einwohner) oder „Bester Krimi aus Castrop-Rauxel, Herne, Datteln und Marl zusammen 2009“ (371000 Einwohner)? 

Buchmensch: Belustigend

Ein starkes Stück Branchenmarketing lieferte in der vergangenen Woche der Verleger Werner Boschmann aus der pulsierenden Ruhrgebietsmetropole Bottrop ab: Unter der Überschrift „Darüber lacht der Verleger“ gab er in der „Bild“-Zeitung seine Lieblingswitze zum Besten. Kostprobe: „Fragt der Patient: ,Herr Doktor, kann man mit Durchfall baden?‘ – ,Klar! Wenn Sie die Wanne vollkriegen.‘“ Noch einer: „Häschen fragt den Rechtsanwalt: ,Hattu Vollmacht?‘ – ,Natürlich!‘ Grinst Häschen: ,Dann muttu Hose wechseln.‘“ Nebenbei: Da erklärt sich quasi von selbst, warum Boschmanns Verlag Henselowsky & Boschmann unlängst den von Friedhelm Wessel verfassten Titel „Denn sie tragen das Leder vor dem Arsch“ herausgebracht hat.    

Buch: Begehrt

Den „teuersten Buchkauf 2009“ vermeldet die Internet-Antiquariatsplattform AbeBooks: Sagenhafte 9240 Euro habe ein Käufer für das Buch „Libellus ysagogicus Abdilasi Id est servi gloriosi dei: qui dicitur Alchabitius ad magisterium iuditiorum astrorum“ des arabischen Astronomen Alchabitius hingeblättert. Diese Meldung scheint mir einen wichtigen Fingerzeig für die künftigen Pricing-Strategien bei allen Buchverlagen zu enthalten: Längere Buchtitel erhöhen offenbar ganz enorm die Bereitschaft der Kunden, höhere Preise zu bezahlen.

Scheinfrage: Seiend

Zum Schluss noch was zum Nachdenken in der konkurrenzlos hübschen Formulierung von Terry Eagleton aus seinem famosen Buch „Der Sinn des Lebens“, das gerade in der Taschenbuchversion von List erschienen ist: „,Wieso ist das Sein?‘ – das ist die Frage, zu der Heidegger zurückkehren möchte. Er interessiert sich weniger dafür, wie einzelnes Seiendes entstanden ist, als für die unglaubliche Tatsache, dass es überhaupt Seiendes gibt. (…) Für viele Philosophen – nicht zuletzt die angelsächsischen – ist die Frage ,Wieso ist das Sein?‘ allerdings das Paradebeispiel einer Scheinfrage. (…) Sie meinen, die Frage sei nur ein umständlicher teutonischer Ausdruck für ,Wow!‘.“

aus buchreport.express 3/2010

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