Daniel Lenz: Teure Evolution

Setzen sich mittelfristig Reader mit elektronischer Tinte oder multifunktionale Tablet-Computer durch? Für die Verlage ist der Ausgang dieses technologischen Wettlaufs entscheidend. Denn im zweiten Fall sähen die meisten alt aus.

Lesen auf zwei Bildschirm-Seiten, Blättern mit Touch-Screen und in Farbe – Fans der digitalen Lektüre hat die die Consumer Electronics Show (CES) viele neue Impulse gegeben (hier eine gute Nachlese). Ob sich mittelfristig jedoch die in Las Vegas schwerpunktmäßig präsentierten Reader mit elektronischer Tinte oder multifunktionale Tablet-Computer (wie der bald voraussichtlich von Apple vorgestellte) durchsetzen werden, wird sich erst im Laufe des Jahres zeigen. Für die Produktmanager der Verlage wird vom Ergebnis viel abhängen.

Denn setzen sich die klassischen E-Reader à la Amazon Kindle durch, bleibt das E-Buch ein dem alten Medium Buch nicht unähnliches Medium, bei dem der Nutzer weiterhin linear und ich-bezogen liest. Sollten sich jedoch die Tablets durchsetzen, die auch auf die Präsentation von Bewegtbild hin ausgelegt sind, wird das Medium Buch zum Bestandteil eines multimedialen Netzwerkes: eine Art Micro-Website, die neben dem Buch-Text andere mediale Inhalte wie Autorenvideos, Erläuterungen und Animationen umfassen kann und Interaktionen wie kollaboratives Schreiben und Lesen ermöglicht (hier eine Studie der Sports Illustrated) – die frühere HarperCollins-Verlegerin Jane Friedman arbeitet bereits an solchen Ideen.

Zwar wäre die zweite Perspektive besonders für jüngere Leser, die mit Computerspielen und dem Web 2.0 groß geworden sind, sicher die attraktivere Variante. Verlage sähen sich jedoch einem großen Handlungsdruck ausgesetzt. Denn nur wenige Bücherhäuser verfügen über entsprechendes Zusatzmaterial jenseits der Texte, geschweige denn über die Mediengestaltungskompetenz. Die Klage über die hohen Konvertierungskosten bei elektronischen Büchern erschiene aus dieser Sicht wie das Vorspiel einer teuren Evolution.

Daniel Lenz ist Wirtschaftsjournalist, schreibt seit 2000 für buchreport, ist verantwortlich für buchreport.de und betreibt nebenher das Wirtschaftsportal ecolot.de

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