Auf der Suche nach Antiquaria

Rund ein Jahr, nachdem der aus dem insolventen Elbe Team hervorgegan­gene Gebrauchtbuchspezialist Cobu ebenfalls die Segel strich, sind die Aufräumarbeiten von Insolvenzverwalter Thomas Linse immer noch in vollem Gange. Wie aus dem buchreport vorliegenden Zwischenbericht des Coburger Anwalts hervorgeht, forscht die Staatsanwaltschaft weiter nach den teilweise verschwundenen Buchbeständen; in Dresden ist sie nach einem Hinweis von buchreport möglicherweise fündig geworden.

Rückblick: Im Juni hatte buchreport exklusiv berichtet, dass Ex-Cobu-Chef Fritz-Peter Kuss zwar unter dem Dach der Schweizer Firma Innosense AG, aber konkret über eine Firmenfiliale am alten Cobu-Standort Dresden unter der Internetadresse globooks.de sowie über den Amazon Marketplace wieder einen Handel mit MA-Titeln betreibt. Allein bei Amazon wurden in den vergangenen zwölf Monaten 4000 Bücher verkauft, ähnlich viele waren es bei Ebay in den vergangenen sechs Monaten.

Keine Hoffnung auf eine Quote

Nicht nur der Insolvenzverwalter, der bisher den rund 180 angemeldeten Gläubigern keinerlei Hoffnungen machen konnte, auch nur einen Teil ihrer Forderungen zu erstatten – 3,5 Mio Euro stehen aktuell rund 55.000 Euro auf dem Cobu-Konto entgegen –, sondern auch die Staatsanwaltschaft wurden durch den buchreport-Bericht hellhörig. Die hochwertigen antiquarischen Bücher aus dem Cobu-Bestand konnten nämlich seinerzeit nach der Insolvenzanmeldung nicht gefunden werden.

Im August, heißt es im Zwischenbericht der Kanzlei Linse, haben Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei die Räume der Innosense in Dresden (Grunaer Weg, am alten Standort des Elbe Teams, wo Kuss nach seinem Zanolli-Engagement in der Chefetage saß) durchsucht und zahlreiche antiquarische Bücher auf Regalen und in Umzugskartons mit „Cobu“-Beschriftung gefunden.

Scheingeschäft mit Kölner Online-Buchhändler?

Wie aus dem Linse-Bericht hervorgeht, besteht offenbar der Verdacht, dass die Bücher über ein Scheingeschäft mit einem kleinen Kölner Online-Buchhändler, der Freitag Nacht GmbH, schließlich bei Kuss’ Innosense gelandet sind. Die Forderungen gegenüber dem Kölner Unternehmen (rund 27.000 Euro) aus dem Pseudo-Verkauf von Büchern seien noch offen. Geschäftsführer des Shops ist Stephan Alles-Feldhoff, der mit Kuss zeitweise bei einer anderen Schweizer Firma zum Vertrieb von Software in einem Boot saß (siehe „Personalangaben“). Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, heißt es im Bericht, seien noch nicht beendet worden.

Parallel dazu versucht Linse, auf gerichtlichem Wege einen ehemaligen Cobu-Gesellschafter zur Erstattung von 100.000 Euro zu zwingen. Im Zentrum steht dabei eine offene Forderung gegenüber der Cobu-Neustadt Immobilienverwaltungs GmbH, bei der der Ex-Cobu-Gesellschafter neben seinem Cobu-Engagement Geschäftsführer war.  

Ob die Staatsanwaltschaft weiterhin gegen Kuss wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelt, konnte bis Redaktionsschluss nicht festgestellt werden.

Kuss selbst scheint aktuell alles Mögliche zu Geld machen zu wollen. Im September hat der Neu-Schweizer, wie eine Google-Suche offenbart, einen gebrauchten Bleistift bei Ebay verkauft. Nur gegen Selbstabholung.

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