Monatspass

Bildender Bundespräsident

Manches wird erst dadurch zu einem guten Witz, dass es zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmte Ort gesagt oder geschrieben wird. Zum Beispiel, wenn – wie in der vergangenen Woche – die „Bild“-Zeitung am 11.11., dem ersten Tag der Karnevalssaison, in der Rubrik „Kalenderspruch“ den früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss (Foto) zitiert: „Wer immer die Wahrheit sagt, kann sich ein schlechtes Gewissen leisten.“ Das hätte sich kein Büttenredner besser ausdenken können.


Beweis: Bürokratisch

Das Bibliographische Institut veranstaltet wieder seinen Jugendschreibwettbewerb „Duden Open“. Dort können, schreibt der Verlag, Nachwuchsjournalisten „ihr Talent unter Beweis stellen“. Das tun die hoffentlich nicht, sondern schauen in den Duden, der solche Floskeln mit dem deutlichen Warnhinweis „Amtsspr.“ versieht.

Ratgeber: Riskant

Die Kommunikationsagentur Publicis hat einen Management-Ratgeber mit dem Titel: „Management für die Champions League“ herausgebracht, Untertitel: „Was wir vom Profifußball lernen können.“ Mhm. Schauen wir doch mal in den Sportteil: Der FC Bayern hat für viel Geld einen neuen Trainer geholt und hinkt den eigenen Erwartungen hinterher. Der FC Schalke steht angeblich am Rande eines Finanzdesasters. Ach ja: Und wie steht gleich nochmal der Kurs der Borussia-Dortmund-Aktie? Vielleicht wären Buchhändler nicht schlecht beraten, im Verkaufsgespräch zumindest den Untertitel dieses Buches dezent mit den Fingern zu verdecken.  

Buch: Befruchtend

In dem christlichen Verlag Edition Ruprecht ist ein Ratgeber von Robert C. Schnase erschienen. Der Autor, seines Zeichens Bischof der Missouri-Konferenz der United Methodist Church der Vereinigten Staaten von Amerika, gibt darin unter dem Titel „Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet“ wertvolle Tipps für lebendige Gemeindearbeit, und der Verlag hat für die deutsche Ausgabe ein wahrhaft appetitliches Cover gewählt. Oberflächliche Buchkäufer, die es ja auch im konfessionellen Buchhandel geben soll, könnten allerdings den Eindruck gewinnen, dass das Buch nur für Gemeinden geeignet ist, die Südfrüchte hervorbringen wollen.  

Ansinnen: Abgelehnt

Nicht ganz neu, aber immer noch schön und jetzt wieder in der Werbung des Steuer-Fachverlags NWB für seine Stilblütensammlung „Wo bitte kann ich meinen Mann absetzen“ entdeckt, hier das Schreiben eines Afrikaners an das Finanzamt: „Ich habe an diesem, ihrem Einkommenssteuerdienst, keinerlei Interesse. Bitte streichen Sie meinen Namen aus Ihrer Kundenliste, denn dieses System verwirrt mich und ich weiß nicht, wer Ihnen meinen Namen als Interessenten genannt hat.“

Aus buchreport.express 47/2009

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