Mit Jod und heißem Wasser

In dieser Woche kommen bei der Visite der Spitzengremien des Börsenvereins in Frankfurt gleich mehrere virulente Themen auf den Tisch: Der Vorstand beschäftigt sich am heutigen Dienstag mit der unter Dauerstress leidenden Branchenplattform Libreka. Am Donnerstag hört das Branchenparlament die vor dem Zusammenbruch gerettete Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft (BAG) auf Rhythmusstörungen ab und beschäftigt sich außerdem zentral mit dem Krisenpatienten „Ausbildung“, der vom freien Durchatmen weit entfernt ist.

Wie hält es der Handel mit der Ausbildung?

„Wie kann die Zukunft gesichert werden?“ – unter dieser Fragestellung wollen Ute Kammerer, stellvertretende Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses, und Monika Kolb-Klausch, Bildungsdirektorin des Börsenvereins, vor den Branchenparlamentariern einen Sachstandsbericht abliefern und anschließend Perspektiven aufzeichnen. Die aktuelle Diagnose:

  • Es sind nicht nur Große wie Hugendubel oder Weltbild, die derzeit Einschnitte beim Personal vornehmen. Kolb-Klausch hatte zuletzt auf dem buchreport & buch aktuell Forum Literatur & Sachbuch auf der Frankfurter Buchmesse einen deutlichen Einbruch bei den Ausbildungsplätzen um 30% im Vergleich zum Vorjahr beklagt.
  • Auch Heinrich Riethmüller, Vorsitzender des Sortimenter-Ausschusses, der ebenso wie der Ausschuss für den Zwischenbuchhandel am Mittwoch zusammentritt, schlug Alarm: „Es ist ein branchenpolitischer Skandal, wenn Großbuchhändler sagen, wir bilden nicht mehr aus.“
  • Kolb-Klausch hat unterdessen Anzeichen der Besserung ausgemacht. Sie führt die Ausbildungsunwilligkeit auf Ängste vor den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zurück und geht davon aus, dass im nächsten Jahr wieder vermehrt Azubis aufgenommen werden.

Hat sich die millionenschwere Notfallhilfe gelohnt?

Mit der BAG steht am Donnerstag ein weiteres Top-Thema auf der Agenda. Bei der Rettung des Systems für den buchhändlerischen Abrechnungsverkehr trat der Börsenverein als Notarzt auf und injizierte einen mehrstelligen Millionenbeitrag, um den Exitus in der Insolvenz abzuwenden. Dass sich die Bemühungen, die den Verband nicht nur finanziell an die Belastbarkeitsgrenze führten, tatsächlich gelohnt haben, will dem Branchenparlament Ro­nald Schild darlegen.

Der Geschäftsführer der Börsenvereins-Wirtschaftstochter MVB, an deren Hand sich der Rekonvaleszent heute bewegt, hat seinen Vortrag mit der Zeile „BAG – Ein Modell für die Zukunft“ überschrieben. Es muss sich einiges geändert haben: Jürgen Horbach, Schatzmeister des Börsenvereins, hatte noch auf den wenige Monate zurückliegenden Buchtagen besorgt über Umsatzrückgänge im Geschäft der BAG geklagt.

Einiges zu erläutern hat Schild auch im Zusammenhang mit Libreka. Wie buchreport berichtete, hatte ein anonymer Briefschreiber Libreka mit detaillierter Kritik unter Beschuss genommen. Schild hat die Anwürfe bisher pauschal zurückgewiesen. Intern wird er aber mit harten Fragen rechnen müssen.

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