Der Griff nach dem Long Tail

Die Frankfurter Buchmesse und buchreport zeigen in einer Serie interessante Geschäftsmodelle der Buchbranchen weltweit. Nach China und Deutschland richtet sich der Fokus auf Großbritannien: Faber & Faber-Chef Stephen Page stellt vor, wie der Verlag vergrabene Schätze hebt.

Wir haben vor zwei bis drei Jahren begonnen, über „Faber Finds“ zu sprechen, angeregt durch Chris Andersons Buch „The Long Tail“. Einerseits waren wir natürlich begeistert von E-Books, andererseits aber auch von dem Gedanken, wie wir unsere Archive vergriffener Bücher ausschöpfen könnten. Faber hat schon immer Wert auf eine starke Backlist gelegt, und Print on Demand schien uns besonders gut geeignet, dem „Long Tail“-Phänomen zu entsprechen.

Am Ende unserer Überlegungen stand ein Print-on-Demand-Modell, bei dem wir von jedem Titel während seiner gesamten Laufzeit 50 Exemplare verkaufen müssen, um die Gewinnzone zu erreichen, und diese Schwelle ist niedrig. Im ersten Jahr hatten wir ein Stufenmodell: Wir begannen mit etwa 100 Titeln, viele davon Empfehlungen von Faber-Autoren, und erweiterten das Programm langsam um 15 bis 20 Titel im Monat. Inzwischen haben wir die Auswahl erhöht und stehen jetzt – nach einem Jahr und ein paar Monaten – bei 540 lieferbaren Titeln. Einige Titel waren sehr erfolgreich, manche weniger, aber alles in allem haben wir Zehntausende Exemplare verkauft – und das von Büchern, von denen wir gar keinen Lagerbestand mehr hatten.

Einen Teil des Erfolges haben wir auch dem Design zu verdanken. Wir spürten, dass die Reihe ein Design brauchte, das den Faber-Grundsätzen entsprach, aber dennoch kostengünstig war, um den Rahmen des Modells nicht zu sprengen. Karsten Schmidt, Designer bei der Londoner Agentur Post­Spectacular, entwickelte einen Algorithmus auf Basis eines kräftigen, verschnörkelten Schriftbildes, mit dem für jeden Titel der Reihe ein eigenes Cover-Design generiert werden kann (s. Abb.). Das ermöglicht ein über­einstimmendes Design aller „Faber Finds“-Titel innerhalb unserer Vorgaben, erspart uns aber die Kosten, die durch den Andruck jedes einzelnen Titels entstehen würden.

Die Lizenzverhandlungen und die Klä­rung digitaler Rechte mit Nachlassverwaltern, Autoren und Rechteinhabern verliefen zumeist ausgesprochen positiv. Dagegen war es manchmal etwas schwieriger, ein Modell zu erklären, das anders ist und sich außerhalb des vertrauten Rahmens bewegt. Hier hat unser „Faber Finds“-Lektor  John Seaton viel Überzeugungsarbeit geleistet.

Bisher sind wir sehr zufrieden und haben uns zum Ziel gesetzt, das Modell weiter auszubauen. Die Print-on-Demand-Technologie wird immer ausgereifter, und wir werden weitere Innovationen anstoßen. Mittlerweile haben wir das „Faber Finds“-Programm um einige E-Books ergänzt; der nächste Schritt wird die internationale Distribution sein. Aber letztendlich haben wir es ge­schafft, eine riesige Menge von Lesern mit neuen Büchern zu versorgen, auf die sie andernfalls nur über Bibliotheken oder Antiquariate Zugriff gehabt hätten.

Hier eine Übersicht zu den bisher erschienenen Teilen der Serie

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