Postskriptum: Schlaffes Bruder

Es ist ein interessantes Phänomen der aktuellen Gegenwartsliteratur, dass einige ihrer reiferen Vertreter ihre vornehmste Aufgabe darin zu sehen scheinen, die Nachgeborenen ordentlich neidisch zu machen. Die Autorin Sibylle Berg (Foto) etwa schwärmte jetzt in der Latenight-Show von Harald Schmidt euphorisch vom Sex in der DDR: „Er war so toll. Ich habe gevögelt, das können Sie sich nicht vorstellen. Es gab nichts zu tun. Es gab keine andere Beschäftigung …“, und so weiter und so versaut. Was die Literatin von der erotischen Kultur im wiedervereinigten Deutschland hält, sagte sie nicht, aber der Titel ihres aktuellen Buches dürfte Rückschlüsse zulassen: „Der Mann schläft“.      

Versprechen: Vorbildlich

Ein hehres Versprechen gibt die neue schwarz-gelbe Regierung in ihrem Koalitionsvertrag: „Wir setzen bei der Verbraucherinformation auf den Einsatz einer verständlichen deutschen Sprache. Dies gilt in besonderem Maße im öffentlichen Raum (…) und bei der Bürgerkommunikation.“ Und das ist bei weitem nicht das einzige Versprechen der neuen Regierung. An anderer Stelle etwa verheißt sie als „Sofortprogramm krisenentschärfende Maßnahmen“: „Wir werden bei den Verlustabzugsbeschränkungen (,Mantelkauf‘) die zeitliche Beschränkung bei der Sanierungsklausel zur Verlustnutzung bei Anteilsübertragung aufheben …“ Ja, ja, die neue Regierung hat einen weiten Weg vor sich.

Autor: Attraktiv

Der Star-Literat Salman Rushdie (62, „Die satanischen Verse“) zeigte sich nach der öffentlichen Schlammschlacht mit seiner Ex-Geliebten Pia Glenn (Sie: „Er ist gestört.“ – Er: „Sie schleppt einen großen, radioaktiven Eimer Stress mit sich herum“) jetzt zum ersten Mal mit seiner neuen Flamme Min Lieskovsky (26). Damit inspirierte  er die Kollegen von der „Bild“-Zeitung zu der Betrachtung, „sein neues Satansweib“ entspreche „zu 100 Prozent seinem Beuteschema. Aber er überhaupt nicht ihrem! Sie sagt: ,Ich bin süchtig nach Model-Typen.‘ Jetzt hat sie einen Mann mit Waschbrettgehirn.“ Was für eine schöne Wortschöpfung, liebe „Bild“-Kollegen. „Knackhirn“ wäre aber auch nicht schlecht gewesen.

Suhrkamp: Segensreich

Die schönste Erinnerung an die diesjährige Frankfurter Buchmesse hat uns Adam Soboczynski in der „Zeit“ hinterlassen, der vom „legendären Suhrkamp-Kritiker-Empfang“ berichtet: „Es las dann Oswald Egger, bevor sich alle betranken, acht Seiten aus seinem im Entstehen befindlichen Roman Lautpoetisches, Silbenfixiertes, Uneingängiges. Alle schwiegen. Es sei ein Segen, sagte ein legendärer Kritiker später verträumt, dass Suhrkamp noch Bücher verlege, die nicht jedermann, nicht einmal er verdauen könne.“

Aus buchreport.express 44/2009

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