Bernd Sommerfeld: Die Buchmesse ist vorbei, die Themen bleiben

Nach der Buchmesse habe ich Matthias Bauer befragt, was er als dort als erfahrener Netzwerker beobachten konnte. Er ist Gründer der inactive media, die Firmen dabei hilft, das nächste große Ding nicht zu tun und sich von eingefahrenen Vorstellungen zu befreien. Er lebt und arbeitet vornehmlich in Berlin.

Matthias, du warst nicht nur als Twitter-Experte aktiv bei einer Podiumsdiskussion eingeladen, du hattest auch etwas Zeit für einen Rundgang. Hat sich die Branche für die Zukunft gut präsentiert ? Und ist die Zukunft des Buches digital ?

Die Zukunft des Buches ist sicherlich digital, denn Bücher sind in erster Linie ein Informationsprodukt. Die digitale Speicherung und der digitale Vertrieb haben für Informationsprodukte gigantische Vorteile, daher ist es für mich nur eine Frage des Wann, nicht des Ob. Allerdings werden klassische gedruckte Bücher uns bestimmt auch noch eine ganze Weile begleiten, da der für viele wichtige und liebgewonnene haptische Eindruck und die Präsenz eines „echten“ Buches noch nicht ersetzbar ist. Auf absehbare Zeit wird es für beide Formen einen Markt geben.

Wurden denn Probleme und Chancen (Digitalisierung, Online-Distributionen oder Soziale Netze) deiner Meinung nicht nach angemessen erkannt und offen behandelt?

Im Großen und Ganzen hätte ich auf der Buchmesse ein stärkeres Eingehen auf die neuen Medien- und Distributionsformen erwartet.Die Veranstaltungen und Konferenzen nebenbei widmeten sich allerdings stärker den Themen Social Media, dem Medienwandel etc. Ja, es geht in die richtige Richtung. Zeitgleich wurden mehrere neue eBook-Reader und -Dienste vorgestellt, die jetzt auch technisch ausgereift genug sind. So gibt es jetzt erstmals eine reelle Chance, dass das Leseverhalten der Menschen sich ändert.Die Geräte und Dienste sind jetzt da und werden noch besser werden. Und die Verlage haben das erkannt und machen mit, statt sich – wie die Musikindustrie – sämtlichen Änderungen des Geschäftsmodells zu verweigern. Auch abseits der eBook-Reader gab es spannende Neuigkeiten – mich hat zum Beispiel „paperC“ aus Berlin beeindruckt, die viele Fachbücher umsonst online zur Verfügung stellen. Das ist schon eine Leistung, den Verlagen das schmackhaft zu machen.

Du bist ein Kenner der Social Media Netzwerke, wie ist dieses Thema
bei den Verlagen und Buchhändlern angekommen?

Man geht noch ein wenig zögerlich an das Thema heran, aber das ist meiner Meinung nach besser, als gleich blind hineinzuspringen. Als plötzlich jeder eine Webseite haben „musste“, entstanden eine Menge schlechter Seiten, die viele Benutzer auf Dauer von Verlagswebseiten vergrault haben. Bei Social Media scheint man da bedachter vorzugehen, was ich natürlich nur gutheißen kann. Jedenfalls wurde Social Media aber offenbar als wichtiges Thema erkannt.

Was denkst du nach dem Statement eines amerikanischen Verlags, Google würde zum weltweit größten Buchverlag als auch zum weltweit größten Buchhändler aufsteigen… ?

Google hat sich von Anfang an auf die Fahnen geschrieben, das Wissen der Welt zugänglich zu machen. Initativen wie Google Books begrüße ich daher zunächst einmal. Über das Vorgehen Googles gegenüber den Verlagen, was das Einscannen aktueller Bücher angeht, kann man streiten. Zumindest ungeschickt war es bestimmt.

Neue eBook-Reader wie der Kindle waren das große PR-Thema schon vor der Messe. Einige bemängelten eine veraltete Technologie zum überhöhten Preis. Wie schätzt du die Technik des Lesens in Zukunft ein?

Die Geräte sind meiner Meinung nach jetzt gut genug, und sie werden nur noch besser werden. Der Preis ist bei völlig neuen Produkten immer anfangs hoch, aber die wirklich Interessierten werden trotzdem zuschlagen. Und so wird sich das Produkt weiter verbreiten. Die größte Gefahr im Bereich elektronischer Medien ist für mich das DRM. Es schadet vornehmlich den Kunden, gegen die das DRM gar nicht gerichtet ist – ähnlich dem langen, nicht überspringbaren Raubkopierhinweis auf DVDs, der bei Raubkopien selbstverständlich nicht enthalten ist. Wenn eine halb- oder illegale Version meines Produkts für den Kunden einen essenziellen Mehrwert hat, verliere ich dieses Geschäft. Nicht ohne Grund ist Amazon MP3 ein großer Erfolg, während es beim Amazon Kindle DRM einen großen Aufschrei gab, als Bücher auf den Geräten gelöscht wurden.

Und zum Abschluss, es gab in Frankfurt Tausende von Neuerscheinungen. Gab es für dich eine Entdeckung?

Da ich mich vornehmlich bei den nebenherlaufenden Veranstaltungen aufhielt, habe ich auch keine Entdeckungen gemacht, was Bücher angeht. Ich war aber positiv überrascht vom Veranstaltungsprogramm in Richtung Social Media und Digitales, insofern ist das meine Entdeckung. Die Buchbranche ist auf einem ganz guten Weg.

Danke für das Interview!

Bernd Sommerfeld, Ur-Blogger der Branche und Buchhändler bei Lehmanns in Berlin

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