Abschreckung ist wichtig

Kaum auf dem Markt, gibt es die meisten relevanten Bücher und Hörbücher auch schon gratis im Internet. Besonders aktiv dort: Jugendliche. Rechtsanwalt Björn Frommer im Interview über deren Umsonst-Mentalität und die Folgen.

Unterscheidet sich die Gratis-Mentalität der heutigen Jugendlichen von der Mentalität der Vorgängergenerationen?
Ja. In meiner Jugend haben wir aus dem Radio auf Kassette mitgeschnitten und trotzdem vom Taschengeld Platten oder Kassetten gekauft. Natürlich gab es den Tausch von Tapes und auch Freunde, die einem „mal etwas besorgen“ konnten. Aber erst mit dem Internet ist etwas völlig Neues entstanden: Eine Kultur des anonymen Gebens und Nehmens ohne jede persönliche Beziehung. Die Folgen sind klar: Bei Jugendlichen gibt es beinahe keinen legalen Konsum mehr.  

Was bedeutet das für Verlage?
Für sie wird es wohl noch drastische Einschnitte geben. In einigen Haushalten wird das Lesen noch gefördert und für Kinder- und Jugendliteratur Geld lockergemacht. Trotzdem entwickelt sich bei Jugendlichen die Gratis-Mentalität geradezu ungebremst: Inhalte, die man umsonst am Bildschirm konsumieren kann, spielen für einen Schüler schon heute eine sehr große Rolle, weil er sich z.B. bei Hausaufgabenplattformen oder Wikipedia bedient. Als Student braucht er keine Bücher mehr zu kaufen, weil nahezu die gesamte Fachliteratur schon im Internet in Bestqualität verfügbar ist. Auch als Erwachsener wird er dann für bestimmte Produkte nichts mehr bezahlen wollen.

Was ist zu tun?
Medienunternehmen sollten ihren Fokus stärker von der Suche nach dem idealen Geschäftsmodell auf die Erforschung einer völlig zahlungsunwilligen Zielgruppe verlagern. Wenn es so leicht wäre, das ideale Geschäftsmodell zu kreieren, gäbe es dieses schon längst. Das Problem ist, dass das Internet dem Nutzer schrankenlos erscheint und auch Juristen nicht auf alles Antworten finden. Strafrechtlich kann man das Thema ohnehin nicht mehr bewältigen. Das Strafrecht ist z.B. geeignet für ein Presswerk, das illegal CDs produziert, oder wenn Sie Mitarbeiter haben, die geklaute Bücher über eBay verkaufen. Aber im Bereich der ganz „normalen“ Internet-Gratis-Mentalität kann man nicht von echter „Kriminalität“ sprechen.

Also ist es hoffnungslos?
Nein. Man erreicht den Einzelnen überhaupt nicht, wenn man in der U-Bahn zwar ankündigt, „Schwarzfahren kostet 60 Euro“, aber gleichzeitig bekannt ist, dass die Verkehrsbetriebe kein Geld für Kontrolleure ausgeben. Abschreckung durch spürbare Konsequenzen dagegen wirkt. Solange man hier keine amerikanischen Maßstäbe anlegt und horrende Strafen verlangt, sondern mit Augenmaß vorgeht, kann man etwas nachhaltig verändern.

Die Fragen stellte Ingo Schiweck

Zur Person: Björn Frommer

verfolgt als Rechtsanwalt der Münchner Kanzlei Waldorf im Auftrag von Buch- und Hörbuchverlagen Urheber­rechtsverstöße.  Auf der  9. Kinder- und Jugendmarktkonferenz der Akademie des Deutschen Buchhandels „Digital Genera­tions – Junge Zielgruppen mit Neuen Medien erreichen“ wird der 1971 geborene Jurist am 25. November einen Vortrag zur Gratis-Mentalität Jugendlicher im Netz halten.

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