Sieg der Literaturkritik über die Hysterie

Die Presse kommentiert  die Verleihung des Deutschen Buchpreises an Kathrin Schmidt. Die Jury habe eine gewisse Souveränität bewiesen, indem sie den Preis nicht an Herta Müller gegeben habe, meint der „Tagesspiegel“. „Und bedenkt man die Konjunktur, die Krebsbücher und andere Krankenberichte im Moment haben, dann ist der Preis für Schmidt nur folgerichtig. Denn du ,Du stirbst nicht‚ ist das Beste aus diesem Genre, das literarischste sowieso.“

Die „Welt“ sieht den Buchpreis als „Sieg der Literaturkritik über die Hysterie“. Herta Müller gehöre, wie ein zweiter Artikel erklärt, zu einer Gruppe von Menschen, die es in unserer Gesellschaft, und speziell in der literarischen, nie besonders leicht gehabt hätten.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ wertet das Votum der Jury als Überraschung – die Mienen der versammelten Literaturkritiker und Vertreter der Buchbranche im historischen Kaisersaal des Frankfurter Römers hätten nach der Verkündung des Urteils Bände gesprochen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ mutmaßt, dass nur das „zweitbeste Buch in deutscher Sprache“ die Auszeichnung erhalten habe – Herta Müller habe sich nicht aus der Auswahl zurückziehen können, weil dies als Geringschätzung des Deutschen Buchpreises gewertet worden wäre.

tagesspiegel.de, welt.de, welt.de, nzz.ch, „Süddeutsche Zeitung“ (S. 11), fr-online.de, buchreport.de 

Zweites Top-Thema: Buchmesse

Im Leitartikel schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, dass die Nobel-Auszeichnung für Herta Müller eine klaffende Lücke im Programm der Messe noch auffälliger mache: dass das Jahr 1989 auf dieser Messe kaum eine Rolle spielte. „Das offizielle China möchte an das Tiananmen-Massaker möglichst nicht erinnern. Aber warum sucht man im Programm der Messe vergeblich nach einer umfassenden Vergegenwärtigung der friedlichen Revolution in Deutschland und Europa?“ Die Buchmesse sei ihrem Anspruch als Schauplatz einer kritischen Öffentlichkeit fast immer zu wenig gerecht geworden.

Der Buchbranche drohe das gleiche Schicksal wie der Musik- und Filmindustrie, schreibt die „Financial Times Deutschland“: Die Digitalisierung ziehe Produkt-Piraten an, die Umsätze schnurrten zusammen. Ein wirklicher Schutz sei nicht in Sicht.

Auf einer Themenseite analysiert die „Süddeutsche Zeitung“, wie es der deutschen Literatur im Ausland ergeht. Fazit: nicht schlecht in Russland (aber zeitgenössische Autoren hätten es schwer), Italien schätze Ingo Schulze, deutsche Fantasy- Literatur und Frank Schätzing, Frankreich sei ein Fan von Stefan Zweig und lese immer noch Bernhard Schlink, in den USA gebe es kaum Übersetzungen, in Großbritannien liefen deutsche Krimis gut, in Tschechien seien Grass, Kehlmann und Julia Franck sehr präsent, während sich Spanien von der deutschen Gegenwartsliteratur abwende; in der Türkei schließlich seien die alten deutschen Autoren attraktiver als die neuen.

Die „Welt“ analysiert die von der Buchmesse und buchreport veröffentlichte Bestseller-Zwischenbilanz 2009, nach der besonders die Vampirromane der US-Autorin Stephenie Meyer die Deutschen begeistern.

Der „Tagesspiegel“ fragt: Was hat das China-Programm der Frankfurter Buchmesse zu bieten?

Die „Frankfurter Rundschau“ analysiert die Bestseller in China.

Und die „Neue Zürcher Zeitung“ zeigt, dass private Verlage in China wenig Spielraum haben.

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 1), „Financial Times Deutschland“ (S. 7), „Süddeutsche Zeitung“ (S. 14), welt.de, tagesspiegel.de, fr-online.de, nzz.ch

BÜCHER & AUTOREN

Drei Fragezeichen: Oliver Rohrbeck (alias Superdetektiv Justus Jonas) darüber, warum 30 Jahre Rätselraten jung halten.
focus.de

Kindler: Die geballte Experten-Kompetenz eines Kindler ist dem Internet immer noch überlegen.
welt.de

ONLINE

Google Books: Sergej Brin verteidigt das eigene Digitalisierungsprojekt, doch Brins Motive sind nicht so hehr, wie er tut – Google will auch Buchhändler werden.
fr-online.de

Web 2.0: Medien bekommen ihre Leser im Internet immer häufiger per Link von Facebook, Twitter & Co.; die klassische Homepage verliert an Bedeutung.
faz.net

MEDIEN & MÄRKTE

Einzelhandel: „Wir brauchen die Erweiterung mit Karstadt-Häusern nicht um jeden Preis. Kaufhof kann auch ohne Karstadt weiter profitabel wachsen“ (Metro-Vorstand Thomas Unger).
„Handelsblatt“ (S. 12)

Medienkonzerne: RTL zeigt am kommenden Sonntag die Verfilmung der Lebensgeschichte von Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn (23.05 Uhr).
tagesspiegel.de

SZENE

Goethe Gesamtausgabe: 33 Bände der Münchner Ausgabe für 99 Euro – drei Seiten Goethe kosten weniger als einen Cent… Eukalyptushonig kostet mehr als 1000 Seiten Goethe.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 29)

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