Joachim Leser: Libreka und iTunes eine Phantasie

Libreka tut sich schwer. Potentiellen Kunden ist das Portal der Buchbranche weitgehend unbekannt, die Verlage stellen – obwohl mit lukrativen Rabatten ausgestattet – mit verhaltenem Engagement ein paar Bücher dort ein. Dass Libreka ein erfolgreiches Kundenportal zur Vermarktung digitaler Inhalte werden kann, zeichnet sich derzeit nicht ab. Kann die Buchbranche von der Musikbranche etwas lernen?

Keine lizenzfreien Texte bei Libreka

Wir kreuzen Libreka versuchsweise mit iTunes,  dem erfolgreichsten kommerziellen Portal der Musikbranche: 

„Ihre Suchanfrage nach ,Autor enthält Goethe und ist ein E-Book‘ lieferte keine Ergebnisse. Bitte versuchen Sie es mit einem anderen Suchbegriff.“ Was für Goethe gilt, gilt auch für Kafka. Und Nietzsche. Und Schiller. Lizenzfreie Texte werden bei Libreka derzeit nicht angeboten. Bei iTunes finden sich mehrere tausend Seiten Goethe, für 0,79 Euro. Oder kostenlos – via Stanza (hier mehr) hat man Zugriff auf die komplette Gutenberg-Galaxie. Dasselbe gilt für Nietzsche, Schiller, Fontane, Kafka. Digitale Gesamtausgaben zum Spottpreis gehören zu den Bestsellern bei iTunes. Warum verzichtet Libreka darauf, die rechtefreien Texte zu verwerten? Günstige Klassikerausgaben im E-Book-Format könnte nicht nur zusätzliche Einnahmen generieren, sondern auch – zumal wenn die Epub-Dateien qualitativ hochwertig sind – neugierige Kunden anlocken. 


Börsenblatt gegen Preisbindung von E-Books?

Libreka bietet – wenn man den Stichwort Goethe folgt – auch den Sammelband „Gutenberg 2.0 – die Zukunft des Buches“ an, herausgegeben vom Börsenblatt des deutschen Buchhandels. Darin ist der zukunftsweisende Aufsatz „Goethe fürs Handy“ von Tamara Weise enthalten. Bei Libreka kostet der Band 19,90 Euro als E-Book. Bei iTunes kostet der Titel: 0,79 Euro. Soviel zum Thema Preisbindung bei E-Books.


Kaum jemand hat sich iTunes auf dem Computer installiert, um dort Musik oder gar E-Books einzukaufen. iTunes hat sich als Programm durchgesetzt, das die Verwaltung der eigenen digitalen Musikbibliothek ermöglicht: Importieren, Brennen, Konvertieren, Exportieren usw. Was wäre, wenn Libreka mit einer ähnlichen Funktion ausgestattet wäre? Wenn ich dort meine elektronischen Texte archivieren und für das Lesen auf dem E-Reader aufbereiten könnte? Wenn ich interessante Texte aus dem Internet dort speichern und verwalten könnte? Software, die dies leistet, ist längst auf dem Markt.

iTunes: hochwertige Inhalte kostenlos


iTunes hat es geschafft, dass zahlreiche Institutionen via iTunes kostenlos qualitativ hochwertige Inhalte anbieten. Die öffentlich-rechtlichen Radiosender bieten einen großen Teil ihrer Sendungen als Podcasts an, und iTunes ist der wohl wichtigste Vertriebskanal für Podcasts. Im iTunes-Appstore (in dem innerhalb eines Jahres 1.000.000.000 Downloads gezählt wurden) ist ein Großteil des Angebots kostenlos: umfangreiche Leseproben, Spiele, Dienstprogramme, Rezepte, Suchdienste, uvm. 


„iTunes U“ ist hierzulande noch wenig bekannt. Dahinter verbirgt sich ein faszinierendes Projekt: Mehrere hundert Universitäten stellen dort Mitschnitte von Vorlesungen oder Seminaren kostenlos zur Verfügung. Einführungen zu Photoshop finden sich dort ebenso wie Vorträge über die Geschichte des Jazz, Vermeers Meisterwerke oder die Struktur der Aminosäuren. Das Angebot ist in erster Linie englischsprachig, aber die ersten deutschen Universitäten haben sich bei „iTunes U“ bereits eingeklinkt.

„Download Days“ sind ein erster Schritt

Ein Großteil der Dateien, die bei iTunes heruntergeladen werden, sind kostenlos. Ein ähnliches kostenloses Mantelangebot konnte sich bei Libreka und auch anderen deutschsprachigen E-Book-Portalen noch nicht entwickeln. Mit den „Download Days“ hat Libreka begonnen, mit kostenlosen Inhalten das Angebot bekannt zu machen. Für die Zukunftsfähigkeit von Libreka wird mitentscheidend sein, ob es gelingt, mit attraktiven kostenlosen Angeboten interessierte E-Book-Kunden dauerhaft an das Portal zu binden.


Joachim Leser, Pressesprecher bei Kein & Aber und Entwickler von Internetprojekten (hier sein Twitter-Konto)

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