1 oder 2 Euro da geht noch was

„Circa“ steht in den Verlagsvorschauen auch vor sehr dezidierten Preisen à la  „ca. 8,90“  oder „ca. 19,95 Euro“. Damit drücken die Verlage einen Änderungsvorbehalt aus, der in der Vergangenheit allerdings eher selten in Anspruch genommen wurde. In den letzten Wochen aber häufen sich Anpassungen:

  • Håkan NessersDas zweite Leben des Herrn Roos“ wurde von btb von 19,95  auf 21,95 Euro hochgezeichnet.
  • S. Fischer hat „Bangkok Noir“ von Roger Willemsen ebenfalls um 2 Euro  auf 26,95 Euro verteuert.
  • GrishamsAnwalt“ (Heyne) verlangt ebenfalls mehr Honorar als geplant.
  • Hanser hat das 190-Seiten-Bändchen „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder um 1 Euro auf 17,90 Euro angehoben.
  • Piper hat aktuell sowohl im Taschenbuch (Anne Holt: „Der norwegische Gast“) als auch im Hardcover (Markus Heitz: „Drachenkaiser“) um 1 Euro erhöht.

Die Liste mit Preiskorrekturen in der Größenordnung von 5 bis 20% nicht nur im Romanfach ließe sich leicht verlängern. Buchhändler tun jedenfalls gut daran, ihre Warenwirtschaftsdatenbanken angesichts der munter aufgebohrten Preise häufiger zu aktualisieren. Das hat nach buchreport-Informationen zuletzt nicht immer geklappt, so dass versehentlich auch schon mal Titel unter Preis verkauft wurden, was nicht nur wegen der entgangenen Euros ärgerlich ist, sondern überdies ein unfreiwilliger Preisbindungsverstoß ist.

Zustimmung für 1 bis 2 Euro mehr

Trendsetter, die Ca.-Preise der Erstkalkulation nach oben zu drehen, ist die Random House-Gruppe. „In der Tat treffen wir Preisentscheidungen derzeit sehr bewusst und titelbezogen und tendieren – gerade auch bei unverwechselbaren Autoren und Büchern – eher nach oben“, heißt es in der Münchner Verlagsgruppe. Erste Rückmeldungen seien durchweg positiv.

Random House-Chef Joerg Pfuhl hatte in einem buchreport-Interview im Mai eine Diskussion angestoßen, als er forderte, dass die Branche angesichts eines massiven Kostendrucks der „Preis­falle“ entkommen müsse (hier mehr): „Wir investieren inzwischen deutlich mehr Zeit in die Preisfindung als noch vor einigen Jahren.“ Als Preisempfehlung nach oben hatte Pfuhl 1 bis 2 Euro ins Spiel gebracht und viele Nicker bekommen vor, allem bei anderen Verlagen, aber auch im Buchhandel, dort allerdings mit größerer Meinungsbandbreite.

In das Horn stößt auch Lübbe-Marketinggeschäftsführer Klaus Kluge, der mit seiner Aktion, zahlreiche Preise auf 99 Cent enden zu lassen („allein das bringt 250000 Euro“), zwar wegen des damit verbundenen Discount-Images für Naserümpfen gesorgt hat, aber in eineinhalb Wochen mit dem neuen Dan Brown-Roman für 26 Euro auch beweist, klotzen zu können. Die Verteuerung der Bücher gelte allerdings nicht nur für nicht austauschbare Megaseller, sondern u.a. auch für die Breite des Taschenbuch-Programms.

Dass sich Taschenbücher verlagsübergreifend verteuern, zeigt auch das monatliche buchreport-Taschenbuchbarometer, während die Gesamttendenz nach oben auch in der Umsatztrend-Analyse deutlich wird.

Bleibt es beim 7%-Mehrwertsteuersatz?

Während sich die Verlage vorsichtig daranmachen, die lange beachteten Preisschwellen zu überschreiten, taucht die Frage von Außeneinflüssen auf die Preise auf: Wie wird die neue CDU/FDP-Bundesregierung Etatlöcher stopfen und die versprochenen Steuerentlastungen gegenfinanzieren? Eine Anhebung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes, wie er für Bücher gilt, war bereits im Vorwahlkampf ins Gespräch gebracht geworden.

aus: buchreport.express 40/2009

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