Stiche im E-Markt

Dan Brown hält, was sich Verlage und Buchhandel in diesem Herbst an guten Geschäften versprochen haben. Mit der Vermarktung von „The Lost Symbol“ lädt er die Branche auch zur erweiterten Symboldeutung ein. So lässt die Nachricht, dass Amazon in den USA mehr E-Book-Ausgaben als Hardcover verkauft haben soll, aufhorchen und entsprechend interpretieren: E-Books haben das Potenzial zum Massenphänomen. Ein deutlicher Weckruf an die deutsche Branche, Abtast- und Abwarte-Strategien auf den Prüfstand zu stellen.

So naheliegend die ungehaltene Nachfrage hiesiger E-Reader-Besitzer ist, wo denn die deutschen Bestseller im E-Book-Format bleiben, so sind die unterschiedlichen Ausgangslagen nicht zu verkennen. Das Amazon-Kaufhaus, das mittlerweile mehr Hartwaren als Medien verkauft, leistet sich mit 67% Nachlass eine Subvention von E-Books, um seine Hardware zu pushen und in Koppelung von Gerät und Inhalten Markt und Macht aufzubauen. Was für Amazon eine naheliegende und sehr vielversprechende Strategie ist, wäre für deutsche mittelständische Verlage in der Regel lediglich ein Verlustgeschäft mit einer überschaubaren Zahl von Nutzern und ohne die Perspektive, sich mit einer heutigen Pionierinvestition einen Markt oder einen eigenen Vertriebsweg für morgen aufzubauen und zu sichern. Da wird lieber hier und jetzt Geld verdient.

Die Verlagsbranche hat zwar Erfahrung mit Quersubvention weniger erfolgreicher Produkte durch Bestseller, aber Lockvogel-Rechnung und Strategie des Amazon-Shops wie auch der englischen Supermarkt-Printangebote mit Dan Brown für 5 Pfund liegt außerhalb ihrer Kalkulation. Keine Antwort ist aber auch keine Lösung im Wandel, vor allem wenn die viel größere Frage im Raum steht, wie die künftige Rolle der Verlage im digitalen Markt insgesamt aussehen soll.

(Aus buchreport.express 39/2009)

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