Wozu ein weiterer Preis, Frau Stemmler?

In einer Woche vergibt das Haus der Kulturen der Welt und die Stiftung Elementarteilchen erstmals den „Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt“ für zeitgenössische Erzählliteratur. Im Interview mit buchreport erklärt Jurymitglied Susanne Stemmler, warum der Preis überfällig ist und wie er sich als Pendant zum Deutschen Buchpreis etablieren soll.

Wozu ein internationaler Literaturpreis?
Wir haben im hoch dotierten Preissegment den Deutschen Buchpreis, wir haben aber kein internationales Pendant. Im Meer von 100000 jährlichen Neuerscheinungen, wo­von 6000 Titel Übersetzungen sind, verdienen herausragende anderssprachige Titel eine ganz besonderere Aufmerksamkeit.

Der Preis der Leipziger Buchmesse würdigt bereits Übersetzungen ins Deutsche…
Hier wird explizit die Übersetzung gefördert, zudem werden auch Übertragungen bereits verstorbener Autoren geehrt. Wir würdigen ebenfalls die Vermittlungsleistung des Übersetzers, der ja einen Teil des Preisgeldes erhält. Trotzdem steht bei uns das Original im Vordergrund. Es geht um aktuelle zeitgenössische Erzählliteratur, die in den letzten zehn Jahren veröffentlicht wurde und zwischen dem 1.1.2008 und dem 2.9.2009 auf dem deutschen Buchmarkt erschienen ist.

Sollen bestimmte Regionen bzw. deren Autoren gefördert werden?
Nein, es ist kein regionaler Schwerpunkt vorgegeben. Der Preis soll auch keine literarische Entwicklungshilfe leisten. Hier geht es allein um literarische Qualität, die Auszeichnung lässt Literaturen aus aller Welt in ihrer Vielstimmigkeit und -sprachigkeit zu Wort kommen. Im aktuellen Jahr haben sich 81 deutschsprachige Verlage beteiligt, es wurden 140 Titel eingereicht. Zumindest in der Vorauswahl ist damit eine englischsprachige Dominanz ausgeschlossen.

Wie wollen Sie sich neben dem etablierten Deutschen Buchpreis behaupten?
Ich bin sehr optimistisch, dass sich der Preis als Pendant zum Deutschen Buchpreis mit einem völlig anderen Profil durchsetzen wird. Allein schon die überwältigende Resonanz der Verlage zeigt, dass es eine absolute Berechtigung für diesen Preis gibt. Und: Wir haben eine hochkarätige Jury, die sich aus renommierten Literaturwissenschaftlern und Literaturkritikern wie Sigrid Löffler und Christian Döring zusammensetzt.

25000 Euro gehen an den Autor, 10000 Euro an den Übersetzer. Woher kommt das Geld?
Von der Hamburger Stiftung Elementarteilchen, dessen Gründer Jan Szlovak den Preis angeregt hat.

Zur Person: Susanne Stemmler

1968 in Bielefeld geboren, studierte romanistische Literatur- und Kulturwissenschaft in Düsseldorf und Montpellier, 2004 Promotion. Von 1997 bis 2004 lehrte Stemmler französische Literaturwissenschaft und Medienkulturwissenschaften an der Universität Düsseldorf. Seit 2008 leitet sie den Bereich Literatur, Wissenschaft und Gesellschaft am Haus der Kulturen der Welt in Berlin.

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